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    Woyzeck


  • Woyzeck

    Georg Büchner

    Regie: Henriette Hörnigk
    Bühne und Kostüme: Alexander Polzin
    Musik: Smoking Joe
    Premiere: 8. Februar 2007, E-Werk
    Dauer: 1 Stunde 10 Minuten



    Pressestimme: Ostsee Zeitung, 10. Februar 2007



    Pressestimme: Schweriner Volkszeitung, 10. Februar 2007



    Woyzeck
    Als Georg Büchner, hessischer Revolutionär, Schriftsteller und Naturwissenschaftler, am 19. Februar 1837 mit 23 Jahren im Zürcher Exil an einer simplen Infektion stirbt, hinterlässt er neben einem Flugblatt, dem "Hessischen Landboten", und seiner Dissertation über das "Nervensystem der Fische", auch zwei Dramen, "Dantons Tod" sowie "Leonce und Lena', ferner die Erzählung 'Lenz", die 14 Jahre später auch sämtlich veröffentlicht werden. - Sein "Woyzeck" ist nicht dabei. Wohl, weil das Manuskript stark verblasst ist und weitgehend unleserlich, aber auch, weil es ein ungeordnetes Fragment geblieben ist, erschien das Werk erst 1879 in einer stark bearbeiteten Fassung und wurde erst 1913 uraufgeführt. Und dennoch ist es gerade der "Woyzeck", an dem Büchner bis zuletzt schrieb, der noch stärker als "Dantons Tod" oder "Leonce und Lena", die Literatur und das Theater verändert haben, wie nach ihm nur noch die Werke von Brecht und Beckett, die Büchner und zumal seinem "Woyzeck" viel verdanken. - Woran liegt das?
    In den 27 erhaltenen Szenen, deren genaue Reihenfolge wohl nie endgültig geklärt werden wird, wirft Büchner grell aufblitzende Schlaglichter auf die Welt und das Leben des Gefreiten Franz Woyzeck, der vom Hauptmann schikaniert und gedemütigt wird, vom Doktor belehrt und missbraucht wird und von Marie, seiner Geliebten und Mutter seines Kindes, mit einem Offizier betrogen wird, bis er sich, verletzt und verwirrt, zum Äußersten getrieben sieht.
    Den aufsehenerregenden, historischen Fall des stellungslosen Perückenmachers und zeitweiligen Söldners Johann Christian Woyzeck, der 1824 in Leipzig hingerichtet wurde, weil er seine untreue Lebensgefährtin erstochen hatte, kannte Büchner vermutlich aus der Diskussion in einer medizinischen Zeitschrift, die sein Vater abonnierte. Von dorther mag er auch noch durch weitere, ähnliche Kriminalfälle angeregt worden sein, sein Schauspiel vom erniedrigten, geknechteten, verlassenen und verächtlichen Wesen als dem Ensemble unhaltbarer gesellschaftlicher Verhältnisse (Karl Marx) zu montieren.
    "Ich verachte Niemanden," schreibt Büchner 1834 an seine Familie, "am wenigsten wegen seines Verstandes oder seiner Bildung, weil es in Niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher zu werden, – weil wir durch gleiche Umstände wohl Alle gleich würden, und weil die Umstände außer uns liegen."
    Dass unter diesen Umständen Jeder auf gröbere oder feinere Weise "hurt, lügt, stiehlt" oder gar "mordet", wie das bereits im "Danton" anklingt, das ist spätestens im "Woyzeck" allen Personen gemeinsam. Und so erscheint es bis in unsere Tage - und heute mehr den je - ganz zufällig, wen das Los trifft, diesmal den Woyzeck zu geben. Wir spielen ja tagtäglich, mehr oder weniger, mal den Tambourmajor, mal die Marie, mal den Doktor, mal den Hauptmann und manchmal auch den Woyzeck. - Die Würde des Menschen mag vielleicht noch immer nicht so unantastbar sein, wie uns das die Präambel im Grundgesetz verspricht; ist sie aber einmal verletzt, dann lebt es sich mit ihr auch nicht mehr ungefährlich. Doch die Faszination an diesem sozialen Roulettespiel, die Angst davor und die Sucht danach, steckt den Figuren Büchners, wie uns selbst, tief in den Knochen. Deshalb huren, lügen, stehlen und morden wir eben alle so gut wir können. Doch was ist das nur, was uns in diese Amokläufe treibt? - "Ich mag dem Gedanken nicht weiter nachgehen", schrieb Büchner noch drei Jahre vor seinem Tod an seine Braut, aber der Gedanke ließ ihn auch nie wieder los: er legte ihn erst in den "Danton" und entfaltete ihn dann im "Woyzeck'."

    Darsteller:
    Woyzeck David Emig
    Marie Bettina Schneider
    Hauptmann Markus Wünsch
    Doktor Jochen Fahr
    Tambourmajor Stéphane Maeder
    Andres Florian Rummel
    Margret / Käthe Lucie Teisingerova
    Ausrufer / Unteroffizier Hagen Ritschel
    Kind Jonas Kraze
    Großmutter Cathleen Rabe


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