Eine Einführung
Hanna steht mitten im Leben. Sie ist Anfang dreißig, verheiratet und liebende Mutter eines kleinen Jungen. Sie glänzt als fürsorgliche Hausfrau und ist ihrem erfolgreichen und gutaussehenden Gatten Geliebte und treue Freundin. Sie lebt mit ihrer Familie in einem entzückenden Jugendstilhaus und vertraut auf die Weisheiten Senecas.
Und Hanna hält soeben einen Dia-Vortrag über die Vorzüge des regelmäßigen Drogenkonsums.
Ob Alkohol, Ecstasy, Haschisch, Heroin, Ketamin, Kokain, Nikotin, LSD, Pilze oder Speed – Hanna kennt sie alle, denn sie schluckt sich inzwischen durch die gesamte Palette. Und sie hat den Durchblick: Gegen alle gesellschaftlichen Anfeindungen legt sie zwingend dar, dass die kontrollierte Einnahme von Drogen nicht nur ungefährlich, sondern für das persönliche Wohlempfinden geradezu unerlässlich ist – jedenfalls nach einer gewissen Eingewöhnungsphase.
Gut, inzwischen stellt auch Hanna gewisse Ausfallsymptome und gesundheitliche Begleiterscheinungen an sich fest, aber alles in allem nichts, was sie irgendwie beunruhigen müsste. Denn Drogen geben Kraft.
Oder, um mit Seneca zu sprechen: „Nur Kleinmütige und Schwächlinge wählen den sicheren Pfad. Der Held geht über Gipfel.“
Autor Kai Hensel nennt sein Stück "eine Einführung", und auf den ersten Blick ist der Monolog von Hanna tatsächlich eine Ansammlung von Ratschlägen für den Umgang mit Bewusstsein verändernden Stoffen. Die Provokation besteht nicht nur im Hinweis zur "richtigen" Dosierung von Ecstasy oder zum legalen Erwerb diverser Hilfsmittel für den Drogenkonsum. Hanna ist weder Dealer noch das, was man gemeinhin Junkie nennt. Sie ist eine elegante Hausfrau um die 40, mit Mann in guter Stellung und begabtem, aber übersensiblem Sohn. Da spricht kein Kind vom Bahnhof Zoo und auch keine „lost generation“: „Wir wollen ein glückliches Leben. Wir wollen Liebe und Liebe kostet Kraft.“ Drogen nehmen wir nicht für uns, sondern für andere. Hanna weiß wovon sie redet. Ihr Mann hat berechtigte Erwartungen an eine ausgeglichene, liebevolle Ehefrau. Auch ihr Sohn, eher musisch begabt, will von seiner Mutter umsorgt werden, wenn die anderen Kinder ihn mal wieder in den Dreck geschubst haben. Drogen machen angstfrei und schlank, mutig und stark, wenn man ein paar Regeln des Drogenkonsums beachtet. Drogen helfen, das Leben zu ertragen – und machen es erst recht unerträglich.
Hanna zwischen Größenwahn und Schweißausbruch, Tagtraum und Atemlähmung unternimmt eine Reise an die Pforten des Paradieses. Begleitet von ihrem Gewährsmann, dem großen Stoiker Seneca führt sie uns ein in die Welt der Drogen.
Pressestimme: Schweriner Volkszeitung, 06. April 2006
Pressestimme: Ostsee-Zeitung, 06. April 2006
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