Eine Parabel: Die Götter haben ein Problem – die Welt. Sie kommen auf die Erde, um herauszufinden, ob genügend gute Menschen ein menschenwürdiges Dasein führen und sich an ihre göttlichen Gebote halten können. Sie sind beunruhigt über die Klagen, die von der Erde zu ihnen vordringen. Und wirklich: Die Welt strotzt vor Selbstsucht, Verkommenheit und das Leben spottet den göttlichen Regeln. In der Stadt Sezuan endlich erweist sich die Prostituierte Shen Te als Hoffnungsschimmer. Die Götter geben ihr Geld und die Möglichkeit, ein Geschäft zu gründen. So muss sie – der gute Mensch – sich neu erfinden und maskieren. Um einerseits mildtätig und großzügig zu sein, muss Shen Te andererseits ein zweites Gesicht haben können, mit dem sie sich das Vermögen für die Mildtätigkeit erkämpft. Sie muss Elend schaffen, um Elend zu beseitigen und sie sucht verzweifelt nach dem Ausweg. Kann man in einer schlechten Welt nur dann überleben, wenn man selbst schlecht wird? Das ist die entscheidende Frage, mit der Shen Te letztlich allein zurecht kommen muss. "Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen/Den Vorhang zu und alle Fragen offen", heißt es im Epilog.
Brecht will erfahrbar machen, dass die Strukturen die Menschen zwingen, nicht miteinander, sondern gegeneinander zu leben. In einer sehr spielerischen-assoziativen und lebendigen Inszenierung sucht Robert Schuster den Jetztbezug in Brechts Parabel.
Robert Schuster gehörte im Regie-Team mit Tom Kühnel zu den interessantesten Regisseuren des deutschen Theaters der 90er Jahre. Das Team inszenierte u. a. am Berliner Maxim Gorki Theater und am Schauspiel Frankfurt. Es erhielt den renommierten Friedrich-Luft- sowie den Max-Reinhardt-Preis. Robert Schuster gehörte ferner zur Künstlerischen Leitung des vielbeachteten Frankfurter Theaters am Turm (TAT). Seit 2000 inszeniert er solo und arbeitete erfolgreich in Basel und am Deutschen Theater. Darüber hinaus ist er Regieprofessor an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch".
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