| Einigkeit auf allen Kanälen: WE ARE ONE WORLD. Beduinen erledigen per Mausklick ihre Börsengeschäfte. Aborigines kommunizieren per SMS mit italienischen Pizzabäckern. Der Dalai Lama verfolgt auf seinem Handy gebannt die Olympischen Spiele. Die Welt ist ein globales Dorf, in dem alle Coca Cola trinken, suggeriert uns die Werbung. Und auch wenn es alle wissen, sind alle dagegen machtlos - Allein wirtschaftliche Interessen und die Angst der Politiker vor Machtverlust bestimmen das Tempo des angeblichen Zusammenwachsens unserer Welt. Die Behauptung von Lebensraum und Identität wird hierbei zu einer Sehnsucht, die eine unerreichbare Illusion bleiben muss, denn der Verstrickung von Politik und privatem Lebensglück kann sich letztendlich niemand entziehen.
Obwohl die "Kabale" heutzutage anders funktioniert als vor über 200 Jahren, sind die Grundmuster des Stückes aktuell geblieben.
Während Luise versucht, Ferdinand zu lieben, ist Ferdinand auf der Suche nach sich selbst. Die Millers kämpfen um das kleine familiäre Glück und die Präsidentin verteidigt mit allen Mitteln ihre wirtschaftlich vorteilhafte Position. Wurm, von Kalb und die Milford sind die unabdingbaren Handlanger, Opportunisten und selbstgefälligen Widerständler, die schon lange nichts mehr suchen. Jeder gegen jeden. Alle haben Angst. Keiner durchschaut die Kabale und niemand ist am Ende Schuld daran.
Theater ist ein Ort der Gegenwart. Die Inszenierung von Tilman Gersch ist ein Projekt nach Schillers "Kabale und Liebe", das die Vorlage als Ausgangspunkt und Material behandelt.
|