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Niederdeutsch von Hartmut Cyriacks und Peter Nissen Storms Nordsee-Geschichte vom Schimmelreiter gehört zu den bekanntesten deutschen Novellen, sie wurde Schulstoff und mehrfach dramatisiert und verfilmt. Mit der Figur des Hauke Haien schuf Storm ein ungewöhnliches, menschliches Charakterbild, das in beispielhafter literarischer Kürze und Strenge von der Kindheit bis zum tragischen Ende in all seiner Zerrissenheit offenbart wird. Hauke Haien ist fasziniert von der See und den Deichen. Oft sitzt er bis in die Nacht am Meer. Als er durch seine Heirat zum Deichgraf wird, lässt er vor einem Teil des alten Deiches einen neuen bauen. Ein neuer Koog entsteht und somit mehr Ackerfläche für die Bauern. Die Rituale der Alten verlangen aber, dass „etwas Lebendiges“ im Deich verbaut werden muss. Zuweilen hatte man früher Zigeunern ihre Kinder abgekauft und diese lebendig begraben. Doch Hauke untersagt diesen Brauch. So sehen viele einen Fluch auf dem Deich lasten. Der neue Deich hält den Stürmen stand, doch der alte Deich wird vernachlässigt. Als eine Sturmflut hereinbricht, durchstößt man den neuen Deich und hofft, dass sich die Kraft des Wassers auf den neuen, noch unbewohnten, Koog konzentrieren werde. Doch während sich die Arbeiter mit dem Durchstechen des neuen Deiches beschäftigten, bricht der alte Deich. Hauke muss mit ansehen, wie die Wassermassen alles unter sich begraben. In seiner Verzweiflung stürzt er sich mit seinem Pferd in die Wassermengen, die das Land überfluten, und ruft: „Herr, Gott, nimm mich, verschon' die anderen!“ Auch heute noch, so sagt die Legende, warnt sein Geist als Schimmelreiter die Friesen bei Sturmflut vor dem Brechen eines Deiches. Hans Theodor Woldsen Storm, 1817 in Husum geboren, war sowohl als Lyriker wie auch als Autor von Novellen und Prosa ein herausragender Vertreter des deutschen Realismus mit norddeutscher Prägung. Bereits als 16-jähriger Schüler schrieb er seine ersten Gedichte und Prosatexte. „Der Schimmelreiter“, als Stoff der alten friesischen Legende „Der gespenstige Reiter“ entnommen, erschien als Abschluss seines umfangreichen lyrischen und epischen Schaffens erst wenige Monate vor seinem Tod 1888. Der Journalist und Schriftsteller Paul Barz, der mit seinem Stück „Mögliche Begegnung“ auch international erfolgreich ist, dramatisierte die Novelle 100 Jahre nach ihrem Erscheinen. Die niederdeutsche Fassung stammt von Hartmut Cyriacks und Peter Nissen.
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