| Der König lebt - es lebe der König Mecklenburgisches Staatstheater huldigte am Silvesterabend Elvis Presley mit einem Konzert für Schauspieler und Band
Nach dem Tod des King of Pop am 25. Juni 2009 vergingen gerade einmal zwei Wochen, bis im Internet erste Berichte darüber auftauchten, dass Michael Jackson lebend gesehen wurde. Als der King of Rock’n’roll Elvis Presley am 16. August 1977 tot im Badezimmer seiner Villa Graceland in Memphis, Tennessee aufgefunden wurde, gab es das Internet so, wie wir es heute kennen, noch gar nicht. Doch auch damals konnten ungezählte Fans einfach nicht glauben, dass ihr Idol aus dem Leben geschieden sein sollte. Und so verbreiteten sich vor mehr als 30 Jahren in Windeseile Geschichten darüber, wo und wie der King weiterlebt. An einer Tankstelle in Kanada soll er gesehen worden sein und in einem texanischen Supermarkt vor dem Milchregal. Es wird behauptet, Elvis sei das - mehr oder weniger freiwillige - Opfer eines Kronzeugenschutzprogramms des FBI geworden. Und aus der Inschrift auf Elvis' Grabstein, wo sein zweiter Vorname Aron anders als auf der Geburtsurkunde mit „Aa" geschrieben ist, wird abgeleitet, dass dort ein anderer bestattet sein muss. Der King of Rock’n’roll soll unterdessen unter dem Namen seines bei der Geburt verstorbenen Zwillingsbruders Jesse weiterleben.
Noch heute tauschen sich Fans im Internet auf Seiten wie www.elvissightingbulletinboard.com über ihre Elvis-Erscheinungen aus. Und nun wurde der lebendigste Tote aller Zeiten auch noch in Schwerin gesichtet. Oder doch nicht?
Elvis würde, wenn er noch am Leben wäre, am 8. Januar seinen 75. Geburtstagfeiern. Eine so temporeiche Bühnenshow wie „Elvis lebt!", die am Silvesterabend am Mecklenburgischen Staatstheater ihre Premiere feierte, hätte der King in diesem Alter auch dann nicht mehr durchgestanden, wenn er Alkohol und Medikamenten noch in relativ jungen Jahren wieder abgeschworen hätte. Rüdiger Daas, Jahrgang 1969 und also jünger als Elvis bei seinem Tod vor gut 32 Jahren, meistert das knapp anderthalbstündige Programm dagegen spielend und mit einer bemerkenswerten Kondition. Nein, seine Stimme hält dem Vergleich mit der des King nicht stand. Denn wie soll Elvis schließlich auf die Frage einer Sekretärin seiner späteren ersten Plattenfirma Sun-Records, wie wer er denn singe, geantwortet haben? „I don't sound like nobody." - Ich singe nicht wie jemand anders. Wie könnte also ein anderer singen wie er?
Doch auch wenn Rüdiger Daas nicht singt wie Elvis - hörenswert sind seine Interpretationen der großen Hits des King of Rock’n’roll allemal. Und seine Tanzeinlagen stellen die des Originals phasenweise sogar in den Schatten - vor allem dann, wenn Kellymarie Sullivan mit ihm zu rockigen Klängen über die Bühne wirbelt. Bei den leisen Balladen wie „Love me tender" und „In the ghetto" stiehlt die Ballett-Solistin dem Elvis-Darsteller sogar fast die Show - dabei kann der Bariton mit der Schauspiel- und Ballett-Ausbildung gerade hier seine sängerischen Stärken am besten ausspielen.
Regisseur Peter Dehler lässt ihn bei Elvis' erstem großen Auftritt mit knapp 20 als schüchternen jungen Mann beginnen und zeigt dann die Wandlung vom puristischen Musiker der 1950er Jahre zum Markenimage, zu dem sich der King nach seinem Comeback Ende der 60er-Jahre entwickelte - mit der typischen Elvis-Tolle, langen Koteletten und dem mit glitzernden Steinen besetzten weißen Overall mit Stehkragen. Zum Glück widersteht Bühnen- um Kostümbildner Holger Syrbe der Versuchung, Rüdiger Daas äußerlich allzu sehr auf Elvis zu trimmen. Dafür taucht er Bühne und „Friends" - die mit Spiel und Sangesfreude zugleich Background-Chor und Bewunderer gebenden Schauspieler Anna Jamborsky, Jan Kühn, Isa Weiß, Florian Anderer, Klau Bieligk und Kay-Gunter Pusch - in ein glitzerndes Flair a la Las Vegas.
Die Band unter der musikalischen Leitung von Thomas Möckel (Klavier) Sven-Matthias Brandt (Posaune), Enrique Marcano (Bass), Christoph Möckel (Saxophon), Hannes Richter (Schlagzeug), Marcus Rust (Trompete) um Torsten Thomann (Gitarre) - reiht wie bei Elvis' legendären Bühnenshows Hit an Hit. „A little less conversation", „Teddy bear", „Return to sender", „Are you lonesome tonight?" , „Shake, rattle and roll", „Viva Las Vegas" und „Jailhouse rock" - wohl jeder im Publikum findet seinen persönlichen Favoriten im Programm. Vor allem nach den rockigen Nummern will der Szenenapplaus oft gar nicht enden. Die geforderte Zugabe von „In the ghetto" - es wäre am Premierenabend die dritte gewesen - fällt zwar den Glockenschlägen zum Jahreswechsel zum Opfer. Doch wird man diesen wie viele andere Elvis-Hits garantiert schon bald wieder auf vielen Radiosendern hören können. Denn auch wenn Elvis tot ist: Der King lebt!
von Karin Koslik
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