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    Antigone

    Quelle: Ostsee Zeitung
    vom: 14. Dezember 2009
    Mehr Infos zu: Antigone



    Antike Tragödie expressiv getanzt

    Dicht, kurz und sehr gut: gelungene Premiere für das Tanzstück „Antigone" von Dominique Efstratiou am Schweriner Theater.

    Allen Sparzwängen zum Trotz hält das Schweriner Theater an seinem Ballettensemble fest - und tut gut daran. Die kleine Truppe - 16 Damen und Herren, und da tanzt Ballettdirektor Jens-Peter Urbich schon mit - sorgt immer wieder für positives Aufsehen. In diesem Jahr gastierte die Compagnie das dritte Mal beim „Internationalen Fest des antiken griechischen Theaters" auf Zypern. Mit der Uraufführung von „Antigone" eröffnete das Schweriner Ballett das Festival und wurde von der zypriotischen Presse als „sensationell" und „hochbegabt" gefeiert. Am Donnerstag erlebte nun das Schweriner Publikum erstmalig die Inszenierung der Choreografin Dominique Efstratiou und sparte nach der Vorstellung nicht mit Beifall.

    „Kurz und (sehr) gut" - auf diese knappe Formel kann man das Tanz-Stück und seine Umsetzung reduzieren. Die Musik, eine Collage aus Kompositionen u.a. von Ross Daly, Ondekoza, Michael Metzler, Elena Ledda, Amadinda und Kaikoyo, legt keinen Teppich aus, auf dem es sich bequem tanzen lässt - sie suggeriert eher Stimmungen, verdeutlicht Situationen. So ist auch die absolute Stille in manchen Sequenzen nur folgerichtig.

    Dicht, konzentriert, mit zum Teil expressiven Gesten und Figuren, erzählt Dominique Efstratiou mit den Mitteln des Tanzes, des körperlichen Ausdrucks, die tragische Geschichte der jungen Frau Antigone: Ihre Brüder Eteokles und Polyneikes kämpften gegeneinander um die Herrschaft in Theben. Beide sterben im Kampf, doch der neue Herrscher von Theben, Antigones Onkel Kreon, gestattet nur für Eteokles ein würdiges Begräbnis, Polyneikes Körper soll vor den Toren der Stadt der Verwesung preisgegeben werden. Eine Entscheidung, die sowohl gegen die Würde der Menschen als auch gegen die Gebote der Götter verstößt. Antigone akzeptiert diesen Befehl nicht. Die in ihrer Haltung so sichere, durch nichts abzubringende Antigone (überzeugend gestaltet von Kellymarie Sullivan) will mit Hilfe ihrer Schwester Ismene (Silvia Pisani) dem Bruder die letzte Ehre erweisen. Ismene wagt es nicht, so setzt Antigone ihr Vorhaben allein in die Tat um. Verraten von einem Wächter Kreons (Rustam Savrasov), wird Antigone vom Herrscher zum Tod im Felsengrab verurteilt. Auch die Bitten, ja, Forderungen von Haimon (Christian Novopavlovski), Sohn von Kreon und Verlobter Antigones, die Gefangene freizulassen, ändern nichts am Entschluss von Kreon. Die Unheils-Prophezeiungen eines blinden Sehers verunsichern Kreon, aber er kommt zu spät zum Felsengrab: Antigone, Haimon und auch dessen Mutter Eurydike sind tot.

    Was wiegt mehr, Menschlichkeit oder Staatsräson? Zur Symbolisierung dieser Begriffe hat Dominique Efstratiou zwei Instanzen eingeführt, das „Gewissen" auf Antigones Seite (Annelies Waller) und die „Macht" (Davina Kramer) bei Kreon. Quasi stellvertretend für ihre Figuren kämpfen Gewissen und Macht gegeneinander, ausgetragen wird auch ein Kampf zwischen Gehorsam und Rebellion. Wann ist was erlaubt, wann ist welche Haltung zwingend - auch wenn man damit möglicherweise das eigene Wohl gefährdet oder, wie Antigone, das Leben riskiert? Fragen, die Dominique Efstratiou in ihrem sechzigminütigen Tanzstück stellt, deren Beantwortung aber dem Zuschauer überlässt.

    von Karin Gustmann

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