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    Frau Holle

    Quelle: Ostsee Zeitung
    vom: 30. November 2009
    Mehr Infos zu: Frau Holle



    Spielspaß mit Frau Holle

    Mit einer gelungenen Premiere des Grimmschen Märchens erfreute das Ensemble des Schweriner Theaters kleine und große Zuschauer und verkürzt die Wartezeit bis Weihnachten.

    Zur Vorweihnachtszeit gehören für Kinder und Erwachsene zwei Fragen: „Schneit es zu Weihnachten?" und „Welches Märchen wird gespielt?" Die zweite Frage ist leicht zu beantworten: Im Schweriner Theater wird es mehr als dreißig Vorstellungen von „Frau Holle" geben. Schauspieldirektor Peter Dehler, der eine originelle Fassung des Grimmschen Märchens schrieb und auch Regie führte, lässt Weihnachtsmann samt Rentier - den berühmten Rudi - und Schlitten bei Frau Holle auftauchen. Der „W-Mann" (Jochen Fahr) bittet sie inständig, die Betten zu schütteln, damit er den Kindern die Weihnachtsgeschenke bringen kann. Frau Holle (Bettina Schneider) denkt aber gar nicht daran, die für sie von den Brüdern Grimm erfundene Rolle als pausbäckige Oma zu spielen - sie gefällt sich im engen Mini-Kleid als flotte Dreißigerin.

    Aber so funktioniert die Geschichte nicht, also zieht sie lange Röcke und eine Haube an und empfängt zunächst die Marie. Sie ist fleißig, schüttelt kräftig die Betten, gibt Frau Holle den Glauben an die guten, braven Kinder wieder, bekommt ein goldenes Kleid - und alles ist gut: Frau Holle turtelt und rockt mit dem W-Mann, Matsch und Flocke, die getreuen Helfer der beiden, tanzen und steppen. Aber leider ist nur fast alles gut - das Märchen ist ja auch noch nicht zu Ende. Die rotzfreche, von ihrer Mutter verwöhnte Stief-Schwester Marie will schließlich auch ein Goldkleid. Also lässt sie sich in den Brunnen stopfen - und das Unglück nimmt seinen Lauf. Faul, wie sie ist, macht sie gar nichts, Äpfel vergammeln, Brote verbrennen, statt Betten zu schütteln, schläft die Göre. Frau Holle ist sauer, lässt es Pech regnen, und ob es mit dem Schnee was wird?

    Peter Dehler hat eine sehr heutige Märchen-Version verfasst mit einem positiven Schluss und einer Moral mit nur ganz, ganz wenig Zeigefinger: Goldmarie (Brit Claudia Dehler) und Flocke (Bernhard Meindl) werden ebenso ein Paar wie die Stiefmutter (Lucie Teisingerova) und ihr Nachbar (Sebastian Reusse). Matsch (Markus Wünsch) wird der Erzieher der Pechmarie (Johann Zürner). Alle Darsteller, auch die Statisterie, agieren mehr als spielfreudig - im Schweriner Schauspielensemble drängelt man sich darum, beim Märchen dabei zu sein - in einer wirklich märchenhaften Kulisse wie eben aus einem Märchenbuch. Ullrich Altermann (Bühne) und Bettina Lauer (Kostüme) entführen die Zuschauer, große wie kleine, in eine Traum-Zauber-Welt, und die Bühnentechnik tut ein Übriges mit explodierendem, qualmendem Backofen und Video-Schneeflocken. Ja, und ob es denn nun zu Weihnachten schneien wird? Vielleicht, wenn wir alle artig sind und der W-Mann auch lieb zu ihr ist, lässt sich Frau Holle erweichen. Die Schweriner Märchen Inszenierung sollte sie eigentlich überzeugen.

    von Karin Gustmann

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