| Licht und Schatten bei Nussknacker und Mausekönig Es gibt ja Menschen, die auf allerlei Getier mit Phobien reagieren. Für jene ist das Puppentheater „Nussknacker und Mausekönig" des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin eher Stress. Kinder kennen in der Regel keine Phobien, soweit sie nicht durch Hysterien der Erwachsenenwelt vorbelastet sind. Kinder reagieren ehrlich auf das Dargebotene.
Und da waren die Stimmen im E-Werk Sonntag gespalten. Das lag an der durchaus ansprechend-liebevollen Inszenierung. Das lag auch daran, dass die Umsetzung in ihrer Brutalität für Kinder grenzwertig war. „Ich wollte so was Ekeliges gar nicht sehen", meinte eine Vierjährige.
Das Ekelige war aus ihrer Sicht nicht die Armee der Mäuse, die im Schattenspiel als haarige, mutierte Ratten daherkamen (bei Kindern sind auch Ratten süß!). Es war das Killen der Plagegeister. Der zweite Teil der Inszenierung, in der der Nussknacker die Hauptrolle innehat, geriet skurril zum Schlachtefest. Die Erzählung E.T.A. Hoff-manns von 1816, Vorlage für Tschaikowskis berühmtes Ballett „Der Nussknacker", eignet sich nur bedingt für Kindergeist. Sie ist einfach sehr kompliziert.
Im Kern steht der Nussknacker, der am Heiligen Abend bei den Kindern Marie und Fritz unter dem Gabenbaum liegt und bei dem Mädchen die Phantasie anregt. In ihrem Kopf kommt es zum Krieg der Zinnsoldaten unter Führung des Nussknackers mit den Mäusen, angeführt vom Mausekönig. Dessen Feindschaft mit dem Nussknacker geht auf seine Mutter, die Mausekönigin aus Mausolien zurück. Die hatte zu Lebzeiten dem Menschenkönig Speck weggefressen, die Prinzessin Pirlipat verzaubert und - im Sterben liegend - den Neffen des Spielzeugmachers in einen Nussknacker verwandelt.
Der Bruch in dieser zweigliedrigen Erzählung wurde im Perspektiv-Wechsel gespiegelt. Das Puppenspiel als Form der Power-Point-Prä-sentation mit Klebefiguren, wurde zum Schattenspiel wie vor einem TV-Gerät. Und das erkannten die Kinder sofort.
von Michael Meyer
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