| Nachgespielt? Neu erfunden! Sibylle Berg und der Zeitgeist der Misanthrophie
Auch das hat Profil; nicht atem- und erfolglos hinter Autoren und Verlagen herzurennen, um die nächste Uraufführung an Land zu ziehen. Statt dessen kann sich ein Theater abseits der Mode Pfade ja auch auf den zweiten Anlauf konzentrieren - in Schwerin zum Beispiel ist (nach Anja Hillings "Schwarzes Tier Traurigkeit") schon wieder ein Text neu unter die Lupe genommen worden, dessen erster Auftritt stark beachtet worden war. "Die goldenen letzten Jahre" (...) der Autorin Sibylle Berg, in Auftrag gegeben vom Schauspiel Bonn, war in Schirin Khodadadians Uraufführungs-Inszenierung immerhin eingeladen zum Mülheimer Stücke-Festival und dort sogar bis in die Schlussauswahl gelangt; (...) Henriette Hörnigk, Chefdramaturgin am Schweriner Theater, hat dagegen verschärft über Bergs Suada nachgedacht - und kam zu neuen Resultaten.
Hier, in Franziska Justs billigem Festzelt der Wiedersehensfeier, sind alle irgendwie beschädigt - und richten sich ein im Lebensdefekt. Lustlos, aber sehr komisch. (...) Vor allem aber hat (Hörnigk) die im Original eher randständige Lehrerin dieser Quasselbande aufgewertet; und mit Brigitte Peters zeigt damit eine auch jenseits der Schweriner Horizonte seit Jahren fabelhafte Schauspielerin ein Stück der Welt drum herum. Nicht grundlos ist ja nichts geworden aus Bergs schrägem Quartett. Lucie Teisingerova, Matthias Walter, der erzulkige Jochen Fahr und die wirklich grandios abgründige Bettina Schneider, die schier zu platzen scheint vor unerfüllter Sehnsucht. (...)
von Michael Laages
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