| "Helden wie wir": Blick zurück im Zorn Man könnte fast meinen, der Schweriner Schauspieldirektor Peter Dehler probt für die Zukunft. So ähnlich wird das Theater im Land bald aussehen, wenn Politiker die Theaterreform realisieren und Subventionen kürzen: Bei der Premiere von Brussigs „Helden wie wir" am Montag gab es gar kein Bühnenbild mehr. Gespielt wird ganz ohne Requisiten auf tagheller Bühne. Ton- und Lichttechniker wurden wegrationalisiert, wie es scheint. Erneut weder Musik noch Lichtregie. Dazu ein Ein-Mann-Stück. Das senkt Personalkosten. Okay, Dehler hat das Stück nicht erst in der Krise geschrieben. Schon 1996 hat er die dramaturgische Fassung von Thomas Brussigs Wenderoman am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt. Mehr als 200 Vorstellungen erlebte sie mit Götz Schubert in der Hauptrolle. Aber mal ehrlich? Spart nicht auch so eine „Wiederaufnahme"?
In Schwerin spielt Markus Wünsch den verschrobenen Klaus Uhltzscht, der es im zarten Alter von neun als junger Naturforscher und Meister von morgen auf die Titelseite der Neuen Berliner IIlustrierten (NBI) schafft. Mit dem Nobelpreis wird es zwar nichts. Aber Uhltzscht schreibt Geschichte. „Ich war's", raunt er zu Beginn der Vorstellung, während er jeden Zuschauer mit Handschlag begrüßt. „Ich bin es gewesen!" Keinen Tag länger könne diese „Das-Volk-sprengt-die-Mauer-Legende" gehalten werden, sagt er in Kinder-Schlafanzug und Ost-Bademantel, auf dem die „20" für das Wendejubiläum prangt (Kostüm: Bettina Lauer). „Die Geschichte des Mauerfalls ist die Geschichte meines Pinsels!"
Wünsch müht sich redlich, den Verklemmten zu spielen, der bei Dagmar Frederic seinen ersten „Ständer" hat und die „nächsten Jahre pausenlos damit beschäftigt" ist, seinen „Steifen zu eliminieren". Er schleicht mit gestrecktem Zeigefinger in Hüfthöhe über die Bühne. Lässt sich im Ferienlager als „kleiner Trompeter mit der kleinsten Trompete" von den Kumpanen aufklären, spielt deren Rollen gleich mit. Und sächselt wunderbar als Major Wunderlich.
Es hilft alles nichts: Wünsch ist eine Fehlbesetzung - zu normal für die Rolle des obsessiven Luststrolchs, der beim Wort „Hühnerficker" gleich ausprobieren muss, wie das geht, und sich einen Broiler besorgt. Eineinhalb Stunden sind zu lang, als dass Wünsch allein unterhalten würde.
von Welf Grombacher
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