ZUR STARTSEITE 00 KONTAKT PRESSESPIEGEL TICKETS
HOMEPAGE
 
SPIELPLAN
SCHLOSSFESTSPIELE
REPERTOIRE
DAS HAUS
KONTAKT
ZURÜCK
05 KONTAKT
  • Kontaktdaten
  • Pressemeldungen
  • Pressespiegel
  • Freunde des Theaters
  • Bürgerstiftung
  • Gruppenservice
  • Theaterpädagogik
  • Intern
  • Links


  • Pressestimme zu

    Der Gott des Gemetzels

    Quelle: Schweriner Volkszeitung
    vom: 09. November 2009
    Mehr Infos zu: Der Gott des Gemetzels



    Gott, geht's uns gut

    Trügt der Eindruck oder wurde tatsächlich lange nicht mehr so oft und so laut im Schweriner Theater gelacht? Wie auch immer: Nehmen wir diesen ersten Abend im umgebauten Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters als Versprechen auf weitere intelligente Unterhaltung dieser Art. Das begeisterte Premierenpublikum am Sonnabend jedenfalls feierte die Inszenierung von Schauspieldirektor Peter Dehler mit langanhaltendem Applaus. Funktioniert die Mund-zu-Mund-Propaganda, worauf man in Schwerin für gewöhnlich vertrauen kann, dürften Parkett und Ränge in den nächsten Vorstellungen besser gefüllt sein als zur Premiere.

    Denn Yasmina Rezas Schauspiel „Der Gott des Gemetzels" ist ein Glücksfall für das Theater. Für das Gegenwartstheater überhaupt. Ob bei der Uraufführung 2006 in Zürich oder später in Paris, London oder New York, das Publikum liebt dieses Stück mit seinen witzigen, weisen, wortgewaltigen Dialogen.

    Die da miteinander plaudern und streiten, geifern und moralisieren, sind zwei Ehepaare um die 40, die sich getroffen haben, um eine Prügelei zwischen ihren beiden 11-jährigen Söhnen zu besprechen, in deren Folge einer der Kinder zwei Schneidezähne verloren hat. Kein sonderlich schöner Anlass natürlich, aber unter zivilisierten Menschen des 21. Jahrhunderts wird man doch wohl zivilisiert darüber reden können? Soweit die Theorie. Der uralte und titelgebende Gott des Gemetzels freilich ist noch immer ein äußerst agiler Bursche. Und so kommt es, wie es nicht kommen sollte. Die Paare liegen sich bald in den Haaren, die Fronten verlaufen zwischen den Familien, irgendwann auch zwischen den Frauen und den Männern und, um dem Geschehen noch mehr Pfeffer zu geben, zwischen den Ehepartnern selbst. Und als wäre so noch nicht genug Zündstoff für kurzweilige eineinhalb Stunden Theater beisammen, meldet sich die Welt ununterbrochen plappernd per Handy zu Wort.

    Prinzipien der Kindererziehung, verletzte Eitelkeiten, enttäuschte Hoffnungen, der Glauben an eine ideale Welt, Flüchtlingselend, Backrezepte, Machofrechheiten und Spießerphilosophien, Gutmenschentum und zynische Geschäftemacherei - was Yasmina Reza da an Welt in ihr Stück gepackt hat, geht eigentlich auf keine dramaturgische Kuhhaut. Doch wir müssen auch nach der Besichtigung unserer dritten Inszenierung dieses theatralischen Bestsellers, nach London und Zürich, neidlos anerkennen, es funktioniert. Man lacht in all den Spielarten des Lachens, man sieht sich und seine Nächsten auf der Bühne gespiegelt, man folgt nahezu atemlos diesem zutiefst menschlichen Spiel. Das in der Schweriner Inszenierung auf einer minimalistisch ausgestatteten Bühne (Susanne Goder) stattfindet. Der schwarz-weiß strukturierte Boden lässt an ein Schachbrett oder eine kalte Fleischerei denken, schwarze und weiße Podeste vervollständigen das coole Ambiente. MUSS nun noch gesagt werden, dass dieses Stück Schauspielfutter vom Feinsten ist? Mögen die Pariser Isabelle Huppert und die Londoner Ralph Fiennes im „Gott des Gemetzels" gefeiert haben, Schwerin hat mit Jochen Fahr als zynischem Anwalt auch einen Meister des subtilen, hintergründigen Spiels. Schön auch, Anne Lebinsky wieder einmal in Schwerin erleben zu können, die das Psychogramm einer überengagierten wie desillusionierten Gutfrau liefert. Anja Werner als ironisch-abgeklärte, neurotische „Tätermutter" haben wir lange nicht mehr so überzeugend gesehen, und mit Sebastian Reusse als komödiantisch überdrehtem Michel hat das Schauspielensemble einen neuen markanten Künstler verpflichten können. Keine Einwände? Doch. Das sich in der zweiten Hälfte der Inszenierung mehr und mehr an die Rampe verlagernde Spiel wirkte dann doch etwas zu moralisierend. Dass der Gott des Gemetzels auch unter uns im Publikum saß, hatten wir ja längst begriffen.

    von Holger Kankel

    weiteralle Pressestimmen

    MVweb
    ZURÜCK NACH OBEN