| Tragödie im Walzertakt Dabei können selbst gestandene Profis in dieser Partitur schon mal den Überblick verlieren. Rossini etwa nannte die Oper ein "Duett in drei Teilen" ("Eines davor, eines währenddessen und eines danach"), obwohl es bei Gounod doch vier große Duette gibt.
Fast operettenhaft, aber nie kitschig Am Freitag hatte die Oper Premiere im Mecklenburgischen Staatstheater. Nachdem bereits Prokofjews Ballett auf dem Spielplan steht, folgt nun Gounods seiner Melodramatik wegen nach dem Krieg wenig gespieltes Singspiel in französischer Sprache und Regisseur Arturo Gama macht daraus in seiner dritten Inszenierung im Großen Haus ein zeitloses Liebesdrama - ohne ein Risiko dabei einzugehen, aber als harmonisches Ganzes in sich rund mit gut gesetzten Höhepunkten.
Zum ersten Mal überhaupt ist das 1867 in Paris uraufgeführte Werk in Schwerin zu sehen. In den 50ern gab es schon einmal "Romeo und Julia", damals aber die Oper von Sutermeister.
Wunderbar verstärkt Gama den Kontrast zwischen Prolog und erstem Akt. Lässt den Chor hinter der Bühne singen, um die sakrale Wirkung noch zu steigern und danach auf dem Maskenball fast operettenhaft - opulent aber nie kitschig - Romeo und Julia einander ganz weltlich in die Arme fallen zu lassen. Selbst die kubischen Bühnenelemente drehen sich da im Walzertakt mit.
Robert Pflanz schafft es überzeugend durch Quader und fliegende Bühnensegel in jeder Szene eine neue Raumsituation zu schaffen.
Das an Jugendstil erinnernde Dekor der Kulisse nimmt die floralen Muster der Kostüme melodisch wieder auf, die Bettina Lauer Gemälden aus der Renaissance nachempfunden und zeitgemäß vereinfacht hat.
Mittendrin die Liebenden. Der blonde Stefan Heibach hat nichts von einem Latin Lover, gäbe eher einen fabelhaften Freischütz ab, während Ulrike Maria Maier eine glaubwürdige Königin der Nacht wäre.
Von den Stimmen aber überzeugen die Beiden. Maier formt die Koloraturen zart und singt den "Schlager" der Oper, die Walzer-Ariette "Je veux vivre" mitreißend, dass man schunkeln möchte. Und Heibach schmiegt sich im Verlauf des Abends immer mehr an seine Julia.
Orchesterbegleitung mit wohldosierten Akzenten Sie harmonieren ausgezeichnet miteinander. In den simultan gesungenen und kontrapunktisch verflochtenen Passagen der Schlussakte umgarnen sich ihre Stimmen und werden zu einer.
Was umso mehr zur Geltung kommt, weil Kapellmeisterin Judith Kubitz, die mit dem Orchester zum ersten Mal eine Oper einstudiert hat, ihre Staatskapelle vorbildlich zurückhält und sich ganz aufs Begleiten beschränkt, um nur wohl dosiert Akzente zu setzen.
Romeo und Julia enden bekanntlich tragisch. In Schwerin liegt das wirklich wie in der Shakespear'schen Vorlage am Familienstreit ihrer Clans, nicht am anstrengenden Duett-Marathon der Partitur. von Welf Grombacher
alle
Pressestimmen
|