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    Alcina

    Quelle: Ostsee Zeitung
    vom: 26. Oktober 2009
    Mehr Infos zu: Alcina



    Zauberhafte "Alcina"-Premiere im Schweriner E-Werk

    Mit der ersten Premiere in der neuen Spielzeit bestätigte das Schweriner Musiktheater, dass es sich selbstbewusst fernab der ausgetretenen Spielplanpfade von Carmen und Co. bewege. Kein viel gespielter Operndauerbrenner eröffnete die neue Saison, sondern die wenig aufgeführte Oper „Alcina“ von Georg Friedrich Händel (1685 – 1759).

    1735 wurde das Werk erfolgreich in London uraufgeführt, drei Jahre später gab es in Braunschweig die deutsche Erstaufführung – und dann wurde das Stück zu den musikalischen Akten gelegt. Erst in den letzten Jahrzehnten tauchte es vereinzelt wieder auf den Spielplänen auf. In Schwerin hat sich Arila Siegert an das Stück gewagt – gewagt, weil sie es gleich zweimal inszenieren muss: In der ersten Version für das kleine E-Werk, in der zweiten für das noch wegen der Bauarbeiten geschlossene Große Haus.

    Da wird am 5. März 2010 Premiere sein. In der Kammerspiel-Variante konnte die Konzeption von Arila Siegert und ihrer Ausstatterin Marie-Luise Strandt absolut überzeugen. Getreu dem Motto: „Ist es nicht, wie du willst, dann musst du wollen, wie es ist“, versuchte Marie-Luise Strandt gar nicht erst, den kleinen und kargen Bühnenraum mit barocker Opulenz zu verbrämen. Sie präsentiert den szenischen Raum in der Nüchternheit einer Werkhalle – die das E-Werk ja auch mal war – und setzt mit wenigen Details wie Steinen, Liegestühlen, einem Boot und einem Prunkbett handlungsweisende Akzente, ebenso mit den prachtvollen Kostümen. Die Regie erzählt die Oper als logische Geschichte um Liebe, Lust und Schmerz. Die Königin Alcina (beeindruckend interpretiert und gesungen von Hyon Lee in der Balance von absoluter Herrscherin und verzweifelnd Liebender) lockt Männer auf ihre Insel. Sie macht sie zu Liebessklaven, um sie, wenn sie ihrer überdrüssig geworden ist, in Tiere zu verwandeln. Das sollte auch das Schicksal sein von Ruggiero (stimmlich und darstellerisch bravourös in dieser Hosenrolle die spanische Mezzosopranistin Itziar Lesaka).

    Die sonst so selbstsüchtig ihre Macht ausübende Alcina hat sich in Ruggiero verliebt, was sie hilflos und angreifbar macht. Das Imperiumihrer Liebesinsel gerät ins Wanken als die Verlobte Ruggieros, Bradamante (Susanne Drexl) und ihr Lehrer Melisso (Andreas Lettowsky) auf der Suche nach dem verschollenen Ruggiero auf der Insel stranden. Nach einigen Wirren und Intrigen, an denen auch Alcinas Schwester Morgana (Katrin Hübner, stimmlich faszinierend speziell im Zusammenklang mit den Geigen) und ihr Diener Oronte (sehr solide geformt von Christian Hees) beteiligt sind, bricht Bradamante den Bann Alcinas, sie zerreißt die Zauberkette – und erlöst damit alle und entlässt sie in die Freiheit. Was sie damit anfangen werden? Hier gewährt die Regisseurin einen ironischen Blick ins Heute.

    Gegenwärtig ist die Schweriner Inszenierung der „Alcina“ allemal. Es gibt kein gestelzt-majestätisches Schreiten, die Figuren leben, nicht zuletzt durch die musikalische Charakterisierung der Personen. Das kleine Orchester unter der inspirierten Leitung von Martin Schelhaas ist ebenso zu loben wie der Mini-Chor aus vierzehn Damen und Herren, der nicht nur die musikalischen, sondern die spielerischen Herausforderungen meistert. Händels Oper „Alcina“ ist eine Entdeckung und Bereicherung für den Opernspielplan.

    von Karin Gustmann

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