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    SCHLOSSFESTSPIELE
    SCHWERIN 2009
    Sorbas


    Quelle: Schweriner Volkszeitung
    vom: 10. August 2009
    Mehr Infos zu: SCHLOSSFESTSPIELE
    SCHWERIN 2009
    Sorbas




    Was ist Leben?

    Gojko Mitic gefällt als liebenswerter Sorbas bei den Schlossfestspielen Schwerin

    Der Alte Garten in Schwerin hat bei den Schlossfestspielen in den vergangenen Jahren schon viele Verwandlungen erfahren, war das alte Ägypten zur Zeit der Pharaonen und eine Felsenschlucht bei Sevilla, war Paris, Peking und Stockholm und jüngst Sarastros Weisheitstempel. Am Sonnabend nun entführte Schauspieldirektor Peter Dehler das Premierenpublikum nach Griechenland, an die Gestade Kretas. Und dort spielte und sang und tanzte in einer feurigen und an Effekten reichen Musical- Inszenierung, die auch in ihren leisen Momenten begeisterte, ein guter alter Bekannter: Gojko Mitic.

    „Was ist Leben?“ Ein Glas Raki? Eine schöne Frau? Ein Freund wie dieser Alexis Sorbas, der nur für den Tag lebt, ohne ein Tagedieb zu sein? „Leben ist die Zeit, die der Tot uns gewährt“, singt Katrin Huke als Erzählerin gleich zu Beginn der Inszenierung, die mit einem furiosen Trommelkonzert auf blauen Tonnen beginnt. Diese Tonnen, an die hundert, scheint’s, beherrschen das Bühnenbild, stehen für den Hafen von Piräus, wo Sorbas den Dichter Nikos trifft, für das Meer und Kreta. Eine verblüffend pragmatische, zugleich sinnfällige und effektvolle Idee (Olaf Grambow).

    Das Musical folgt wie der ocarprämierte Film dem weltberühmten Roman von Nikos Kazantzakis, erzählt von der Freundschaft zwischen dem verkopften Nikos und dem unbeschwerten Sorbas, die gemeinsam auf Kreta ein Bergwerk in Gang setzen wollen, erzählt von den tragischen Liebesgeschichten der beiden und dem Scheitern des Bergwerkprojektes.

    Regisseur Peter Dehler bedient sich für seine Inszenierung eines alten Tricks und spielt Theater im Theater. Katrin Huke als Erzählerin treibt wie ein singender Puck die Handlung voran. Ulrike Hanitzsch und Isa Weiß begleiten das Geschehen als zwei hinreißende, zauberhaft quirlige Clowns, deren Mimik und Gestik jede Nuance auf der Bühne spiegelt.

    Wie auf einer so großen Open-Air-Bühne nicht anders zu erwarten, inszeniert Dehler gemeinsam mit dem Choreographen Jens-Peter Urbich große Bilder, ohne in die folkloristische Falle zu tappen. Den Spielern und Tänzern, allesamt Schwarz-Weiß gekleidet, reicht ein Fingerschnipsen, ein Ausfallschritt, ein Kreistanz, und schon stellt sich dieses Griechenlandgefühl ein, das viele Zuschauer natürlich erwarten durften.

    Genau das mag die Schwierigkeit dieses Musicals gewesen sein – die Gespenster zu vertreiben, sich den Gespenstern zu stellen, die über dieser Inszenierung schwebten. Man kann sie sogar beim Namen nennen: Sie heißen Anthony Quinn und Chingachgook. Auch wenn das Publikum durchaus gespalten war in seiner Begeisterung, das Inszenierungsteam und der Schweriner Sorbas haben es den Geistern zumindest ziemlich schwer gemacht. Nein, die Geburt eines neues Musical-Stars dürfen wir wohl nicht feiern. Aber Gojko Mitic hat mit seiner Präsenz, seinem Charme und auch mit einer Portion Selbstironie diesem Alexis Sorbas eine symphatische Gestalt verliehen, die die Inszenierung zu tragen vermag. Zumal er mit Johann Zürner, Rüdiger Daas und Jana Kühn als Mimiko, Nikos und Witwe überzeugend spielende, singende und tanzende Kollegen an seiner Seite hat und vor allem mit Ute Kämpfer als Hortense eine Künstlerin, die mit ihrem Temperamt und ihrer markanten Stimme scheinbar mühelos den Alten Garten zu beherrschen vermag. Und die Staatskapelle bewährt sich mit ihren Gästen (Jannis Zotos an der Bouzouki) auch als griechisch inspiriertes, feuriges Orchester (Musikalische Leitung: Thomas Möckel).

    Den Alten Garten beherrscht auch die riesige LED-Leinwand, auf der Schlachtschiffe vor dem Schloss auffahren, Krähenschwärme herabstürzen und das Bühnengeschehen zuweilen als Videoprojektion gespiegelt wird. Vielleicht hat die Begeisterung für diese neuen technischen Rafinessen dazu verführt, der Inszenierung, die auch in ihren kammerspielartigen Szenen berühren konnte, etwas zu viel an Bildgewalt überzustülpen?

    Was ist Leben? Auch ein solcher heißer Sommerabend, gemeinsam mit 2000 Zuschauern auf einer Theatertribüne sitzend und mit einer schönen Frau an seiner Seite und einem wie bestellten Vollmond Künstlern folgend, die mit Leidenschaft singen und spielen und tanzen und ein Gesamtkunstwerk entstehen lassen, das im besten Sinne unterhält. Was will man mehr?

    Jassu!

    von Holger Kankel

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