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    SCHLOSSFESTSPIELE
    SCHWERIN 2009
    Sorbas


    Quelle: Märkische Allgemeine
    vom: 10. August 2009
    Mehr Infos zu: SCHLOSSFESTSPIELE
    SCHWERIN 2009
    Sorbas




    „Alexis Sorbas“ mit Gojko Mitic bei den Schweriner Schlossfestspielen

    Pizza verkaufende Türken sind die Regel. Ebenso Vietnamesen im China-Imbiss. Wenn’s ums Fast-Food geht, schaut eh niemand gerne so genau hin. Nur folgerichtig also, dass der serbischstämmige Jugoslawe Gojko Mitic bei den Schlossfestspielen in Schwerin den Griechen Sorbas im gleichnamigen Musical gibt. Der DDR-Chefindianer tauscht sein Pferd gegen den Esel und singt. Kann er zwar genauso wenig wie tanzen, aber was soll’s? Konnte doch bekanntlich auch Anthony Quinn in der großartigen Verfilmung von „Alexis Sorbas“ nicht tanzen, weshalb zur Musik von Mikis Theodorakis kurzerhand der Sirtaki erfunden wurde, wie Gerüchte besagen.

    Letztlich geht es doch eh nur um die Ausstrahlung, um den Charme. Und den hat Gojko Mitic auch mit 69 Jahren noch. Herrlich, wie er über die Bühne rumpelt mit ruppigem Haar, das die selbe Farbe hat wie der Esel, den er führt. Wie er vom Leben singt, welches ist wie der Wein, und dabei brummt als wäre er der Sohn der großen Bärin. Wie er die Wörter verschluckt als seien sie Raki, der in der Kehle brennt. Verhuscht und doch so selbstsicher, dass er jeden um den Finger wickelt. Schauspieldirektor Peter Dehler ist mit der Besetzung ein echter Coup gelungen. Nach der Schweriner Inszenierung von „Einer flog über das Kuckucksnest“ fragte er Mitic, der darin den Indianer Bromden spielte: „Und was machen wir als nächstes?“ Wie aus der Hüfte geschossen soll Mitic geantwortet haben: „Alexis Sorbas“. Gesagt, getan! Weil es kein Schauspiel zum Roman von Nikos Kazantzakis gibt, also die Musical-Version aus dem Jahr 1968 vom Erfolgsduo John Kander und Fred Ebb („Cabaret“). Dehler macht munteres Sommertheater daraus mit großen Bildern und rührigen Momenten.

    Keiner seiner Schauspieler aus dem Schweriner Ensemble kann wirklich singen. Die Mecklenburgische Staatskapelle unter der Leitung von Thomas Möckel bremst jegliches griechische Temperament. Die Anleihen beim Erfolgsmusical „Stomp“ ändern da auch nichts, da können die Akteure noch so wild auf blauen Fässern herumtrommeln. Trotzdem hat alles irgendwie einen Reiz, ist durchaus gefällig. Wenn da am Anfang etwa zwei Clowns (Isa Weiß und die mitreißende Ulrike Hanitzsch) auf die Bühne stürmen, der eine fragt: „Was jetzt?“, und der andere über dem Kopf klatschend in gebrochenem Griechisch antwortet: „Geht los!“. Danach der Kopfmensch Nikos (Rüdiger Daas bieder im hellen Sommeranzug) und Sorbas, der Bauchmensch, sich zusammen einschiffen, um die geerbte Mine auf Kreta wieder in Betrieb zu nehmen. Oder wenn die beiden auf die liebestolle Hortense treffen (wunderbar gespielt von Ute Kämpfer als regsame Alte). Dabei steckt der Zauber von Mitic nicht nur ältere Damen im Publikum an, die mit Hortense leiden und stöhnen, wenn Sorbas seine windigen Komplimente macht.

    Die bezaubernde Kulisse des Schweriner Schlosses tut den Rest. Olaf Grambow (Bühne) und Stéphane Maeder (Video) haben die ideale Lösung gefunden, indem sie auf eine durchsichtige LED-Leinwand setzen. Mal gewährt sie den Blick auf das herrlich illuminierte Schloss. Mal zieht sie sich zu und dient als Projektionsfläche, auf der bei Songs und Tanzeinlagen des Schweriner Ballettensembles Videosequenzen blinken oder bei emotionalen, ruhigen Passagen live gefilmte Gesichter der Schauspieler flimmern. Am Ende stolpert Gojko Mitic beim Sirtaki über die Bühne und nuschelt den Hit des Musicals „Ich bin frei/ Ich hab’ nichts./ Ich will nichts./ Ich bin frei./ Ich brauche nichts./ Ich schulde nichts./ Ich bin frei.“ Wer ihn sieht, weiß, das ist er selbst. Gojko ist Sorbas. Er muss es keinem mehr beweisen. Er ist frei. Ganz egal ob Jugoslawe oder Grieche.

    von Welf Grombacher

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