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    SCHLOSSFESTSPIELE
    SCHWERIN 2009
    Sorbas


    Quelle: Die Welt
    vom: 10. August 2009
    Mehr Infos zu: SCHLOSSFESTSPIELE
    SCHWERIN 2009
    Sorbas




    Die Schlossfestspiele Schwerin, das Land der Griechen mit einem Singspiel suchend

    Nun gibt es also einen Alexis Sorbas mit Schweriner Charme und damit den zweiten Menschen, der sich nach Otto Rehakles den Ehrentitel "Gesamtdeutscher Grieche" erspielt hat. Der aus Serbien stammende Gojko Mitic, als "Chef-Indianer" der DDR-Filmproduktion Defa berühmt geworden und nach der Wende lange Jahre als Winnetou erfolgreicher Nachfolger von Pierre Brice am Kalkfelsen zu Segeberg, verkörpert den Fleisch gewordenen Inbegriff der griechischen Seele als sehr sympathischen Lebenskünstler mit Zügen des braven Soldaten Schwejk, der ja wie Sorbas und Winnetou zu den überzeugten Pazifisten zählt. Das steht nicht nur ihm gut zu Gesicht, sondern auch der Rolle gut an, denn Sorbas ist diesmal nicht etwa Film- oder Theater-, sondern Musicalheld.

    Nach der Renovierung des Theaters, des Schlosses und weiterer historischer Gebäude haben die Schweriner offenbar immer noch Erneuerungsschwung. So nimmt sich Schauspielchef Peter Dehler mit "Sorbas" von John Kander (Musik), Fred Ebb (Lyrics) und Joseph Stein (Buch nach dem Roman von Nikos Kazantzakis) eines renovierungsbedürftigen Broadwaymusicals von 1968 an und bringt es in eine durchaus liebenswerte, jedenfalls sehens- und mithilfe der Mecklenburgischen Staatskapelle unter Leitung von Thomas Möckel auch hörenswerte Fassung. So mäßig das Musical dabei auch bleibt: Unter den Songs sind keine Hits, und sämtliche Zitate können "Sorbas' Tanz", den Ohrwurm-Sirtaki, den Mikis Theodorakis als Filmtanz für Anthony Quinn schrieb, nicht ersetzen.

    Überwältigend aber ist das Bühnenbild dieser Freilichtinszenierung der Schlossfestspiele zwischen Theater, Museum und Schloss, die sämtlich als Hintergrundblickfang für kurze Momente fungieren - wenn der Projektionsvorhang Durchblick erlaubt oder wenn ein Zuschauerblick zur Seite schweift. Von außen ein riesiger rostiger Quader, umfasst die Installation des Künstlers Jörg Herold das Bühnenbild von Olaf Grambow aus lauter blauen Ölfässern sowie gegenüber die Publikumstribünen. Bei der Premiere am Sonnabend wurde der Sirtaki in Blue durch einen nur leicht bewölkten Sternenhimmel und einen fast vollen Mond wie aus dem Bilderbuch für perfekte Sommerabende ergänzt, wie geschaffen für die tragischen Liebesgeschichten des Musicals.

    Dem passabel singenden Gojko Mitic (69) steht als gleichaltrige, gesanglich überzeugende Partnerin die hinreißende Schauspielerin Ute Kämpfer als Hortense zur Seite, dem Minenbesitzer, Schriftsteller und Sorbas-Freund Nikos (Rüdiger Daas) Jana Kühn als junge Witwe. Daas gelingt das kleine Kunststück, als unbeschriebenes Blatt charaktervoll angenehm aufzufallen, Kühn glänzt mit einer der schönsten Singstimmen des Abends.

    Gleichfalls ein deutliches Plus war der Klang der Stimme von Katrin Huke, die als Erzählerin durch die Geschichte führt, mehr störend als erfreulich komplettiert durch ein mit dem Publikum fraternisierendes, plumpes Clownsduo. Für Dynamik, aufregende Bilder und Stimmung von der Sirtaki-Satire bis zum Fackeltanz sorgte hingegen das 15-köpfige Ballettensemble des Staatstheaters als quicklebendige Dorftanztruppe auf Kreta.

    von Stefan Grund

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