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    SCHLOSSFESTSPIELE
    SCHWERIN 2009
    Die Zauberflöte


    Quelle: Schweriner Volkszeitung
    vom: 29. Juni 2009
    Mehr Infos zu: SCHLOSSFESTSPIELE
    SCHWERIN 2009
    Die Zauberflöte




    Premiere der „Zauberflöte“ bei den Schlossfestspielen Schwerin

    Manches war aufsehenerregend anders bei der diesjährigen Opernpremiere auf dem Alten Garten im Verona des Nordens, als das sich Schwerin während der sommerlichen Schlossfestspiele versteht. Am Freitagabend, zur Premiere von Mozarts Oper „Die Zauberflöte“, fiel nicht ein Tropfen Regen! Der Wettergott meinte es gut mit Publikum und Ensemble – und hatte dazu allen Grund.

    Der völlig regenlose Abend war nicht der einzige Grund, weshalb die mehr als 2200 Premierenbesucher bei den Schweriner Schlossfestspielen die Inszenierung der „Zauberflöte“ einhellig mit jubelndem Applaus und Bravo-Rufen feierten. Man muss Open-Air-Liebhaber sein und sich nicht an der ebenso empfindlichen wie nivellierenden Elektroakustik stören, dann kann man in der wunderbaren Kulisse zwischen Schloss, Seeufer und Museumsportal ein zauberhaftes Sommererlebnis genießen.

    Das Mecklenburgische Staatstheater hat sich diesmal auf besonders viele hauseigene Kräfte verlassen und kann damit vollkommen überzeugen. Der Regisseur Arturo Gama bahnt sich gemeinsam mit Tamino und Pamina einen Weg durch die Rätsel um Sarastros Priesterwelt und das Reich der Königin der Nacht und findet dabei eine Lösung, deren Bildhaftigkeit verständlich und deren Konsequenz vollkommen nachvollziehbar ist.

    Inszenierung geht einen konsequenten Weg

    Arturo Gama geht diesen Weg über eine phantasievolle Fülle von Theatereffekten, dass man immer wieder überrascht wird und ins Staunen gerät. So erobert die Schlange gleich zu Beginn als eine Art Riesen-Tausendfüßler die gesamte Bühnenbreite und lässt den gehetzten Tamino tatsächlich als gefährdetes Menschlein erscheinen. Nach seiner Rettung stellen ihm die drei Hofdamen der Nächtlichen Königin als so bezaubernd schönes Bildnis die Pamina wie eine Fata Morgana leibhaftig vor. Da ist es kein Wunder, dass er sich augenblicklich in sie verliebt. Als die Königin dann selbst erscheint, in sternenblitzendes Anthrazit gekleidet, entfaltet sie ihre Riesenschleppe bei den Worten „Du wirst ihr Retter sein!“ wie ein Pfau seinen Federschwanz, und balzt damit um Taminos Zuwendung – damit sie ihn als Werkzeug zur Ausführung ihrer Machtpläne benutzen könne.

    Olaf Grambow hat ein ebenmäßiges Bühnenbild geschaffen, dessen Symmetrie nur durch eine kreisrunde, schräggestellte Spielfläche gebrochen wird. Seine Kunstbäume wehen im Seewind genauso wie die dahinter wachsenden Linden, und für die Feuer- und Wasserprobe der beiden Liebenden Tamino und Pamina in Saras-tros Tempel lässt er wirkliche Feuersbrunst hochschießen und Wasser herabregnen.

    Dazu hat die Schweriner Kostümdirektorin Bettina Lauer wunderschöne, farbenfrohe Kostüme geschaffen. Sie charakterisiert mit den Kostümen einerseits die unnatürliche Reinheit von Sarastros Geisteswelt und enthebt andrerseits den Mohr Monostatos jeglicher rassischer Abfälligkeit.

    Die Staatskapelle Schwerin wird in diesem Jahr von Judith Kubitz, der Ersten Kapellmeisterin des Hauses, geleitet. Schade, dass man nur ahnen, aber nicht sehen kann, mit welch energischen Bewegungen sie die dramatischen Passagen vorantreibt und mit welcher Exaktheit sie die für die Weite des Raumes notwendige klare Artikulation herausfordert.

    Erstklassiges Solisten-Ensemble

    Ulrich Barthel hat den Opernchor und den Extrachor bestens vorbereitet. Mit seiner Klangkraft kann der Chor die großen Dimensionen des Alten Gartens durchaus füllen.

    Natürlich ist wieder ein mehrfach besetztes, erstklassiges Solistenensemble aufgeboten. Zur Premiere fiel der junge Schweriner Bariton Roman Grübner als Papageno mit faszinierender stimmlicher Brillanz und hinreißender Spielfreude am meisten auf. Katherina Müller konnte als Pamina einen makellosen Sopran aufbieten und vermochte besonders in den lyrisch nachdenklichen Passagen die Herzen der Zuhörer zu berühren. Auch der Tamino von Raphael Pauß glänzte mit einem schön geführten lyrischen Tenor. Dass die Solisten in leisen Partien nicht immer ganz auf der Tonhöhe des Orchesters sangen, ist sicher dem Ungenügen der Elektroakustik geschuldet. Für die Königin der Nacht muss Mozart eine Ausnahmesängerin vorgeschwebt haben. Diese Partie bleibt immer ein Bemühen um Annäherung, auch bei Hyon Lee, der die teuflischen Koloraturen der Rachearie bis auf das magische f sicher gelangen.

    Dafür musste Frank Blees als Sarastro um das F in der Tiefe kämpfen. Hervorragend sangen und spielten die drei Knaben vom Knabenchor der Chorakademie Dortmund, die drei Damen Petra Nadvornik, Frauke Willimczik und Lien Haegeman und auch Nicole Braunger als Papagena, Christian Hees als Monostatos und Olaf Plassa als Priester. Am Ende bleibt die Erinnerung an einen überraschenden Ausgang eines bezaubernden Theaterabends.

    von Michael Baumgartl

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