| Märchenhafte „Zauberflöte“ vor Märchenschlosskulisse
In Schwerin erlebten zweitausend Besucher der Schlossfestspiele mit der bekannten Mozartoper eine glanzvolle Premiere.
- „Heute Abend scheint die Sonne!“ — diese kühne Prognose schrieb Joachim Kümmritz, Generalintendant des Schweriner Theaters, am Freitagmorgen hoffnungsvoll an die Tür vom Bühneneingang. Mit der Sonne hat es nicht geklappt, aber trocken und mild war es am Abend, so dass die Premiere der Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ bei den 17. Schlossfestspielen auf dem Alten Garten reibungslos über die Bühne gehen konnte. So erlebten denn rund zweitausend Zuschauer eine begeisternde, märchenhafte „Zauberflöte“ vor der Kulisse des Schweriner Märchenschlosses. Das hat Olaf Grambow ebenso geschickt in sein Bühnenbild integriert wie die Linden hinter den Aufbauten im szenischen Raum. Der ist relativ klar gehalten, bietet mit seinen Treppen und Podesten auf verschiedenen Ebenen Möglichkeiten zum Spielen und ist ein idealer Hintergrund für die fantasievoll-fantastischen Kostüme von Bettina Lauer.
Arturo Gama, seit 2005 Oberspielleiter des Musiktheaters am Schweriner Theater, gab mit der „Zauberflöte“ sein überzeugendes Regie-Debüt bei einer Open-Air-Produktion. Sicher hält er die Balance zwischen Spektakel und Oper, in dem er die Chance der Aufführung unter freiem Himmel nutzt: Tauben, Pferde und Hunde spielen mit, gewaltige Flammen lodern in den Abendhimmel, Wasserfontänen steigen auf, ein Feuerwerk begleitet das Happy End. Das Auge wird bedient, aber diese Show-Effekte sind nicht Kern, sondern Illustration der Inszenierung. Gama schaut in seiner Interpretation der „Zauberflöte“ nicht vordergründig auf den Konflikt „Gut“ (Sarastro) gegen „Böse“ (Königin der Nacht), er sieht einen Konflikt der Generationen. So müssen die Jungen, Prinz Tamino und Pamina, die Tochter der Königin der Nacht, sich aus den verkrusteten, erstarrten Systemen der Alten lösen, sich von den überkommenen Symbolen trennen, um ihre eigenen Wege zu finden. Begleitet wird das Paar bei seinen Prüfungen von drei Knaben und dem unbekümmerten Vogelfänger Papageno. Jeder Gruppe der handelnden Personen hat Mozart eine eigene Musiksprache gegeben, die von den Solisten des Premierenabends adäquat umgesetzt wird: Innig, aber dennoch kraftvoll der Tamino von Raphael Pauß und die Pamina von Katherina Müller, gleißend die Koloraturen der machtgierigen Königin der Nacht von Hyon Lee, bestimmend in Ton und Gestus die drei Damen Petra Nadvornik, Frauke Willimczik, Lien Haegemann.
Voller ausgelassener Lebensfreude, die Grenze zwischen Volkslied und Opernarie nahezu aufhebend, der Papageno von Roman Grübner und die sich vom gelifteten Schreckgespenst zur liebreizenden Papagena verwandelnde Nicole Braunger. Ruhig-würdevoll mit vollem Bass der Sarastro von Frank Blees, abgeklärt der Sprecher von Olaf Plassa, getrieben von Eifersucht der Monostatos von Christian Hees. Getragen werden die verschiedenen musikalischen Charaktere von den perfekt einstudierten Chören (Leitung: Ulrich Barthel) und der unter der temperamentvollen Leitung ihrer Ersten Kapellmeisterin Judith Kubitz ambitioniert musizierenden Staatskapelle. Für weitere Aufführungen der „Zauberflöte“ sollte Joachim Kümmritz seine beschwörende Wetterprognose besser nicht von der Tür wischen.
von Karin Gustmann
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