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    Frühlingsopfer

    Quelle: Ostsee-Zeitung
    vom: 16. März 2009
    Mehr Infos zu: Frühlingsopfer



    Schweriner Ballett mit „Frühlingsopfer“ gefeiert

    Die Uraufführung von Igor Strawinskys Ballett „Le Sacre du Printemps/Das Frühlingsopfer“ 1913 in Paris war begleitet von Gelächter, Tumult, Skandal. Für die jüngste Schweriner Premiere des Ballettabends „Frühlingsopfer“ des jungen Choreographen Lars Scheibner am Freitag im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters gab es Gratulationen, viel Lob und minutenlangen Applaus. Anerkennung für eine ideenreiche, spannende, neu gedeutete Umsetzung eines bekannten Themas und wahrhaftig verdienter Beifall für eine begeisternd agierende Ballettcompagnie. Das künstlerische Engagement des fünfzehnköpfigen Ensembles unter der Leitung ihres Ballettdirektors Jens-Peter Urbich kann man gar nicht genug würdigen.

    „Alte, weise Männer sitzen im Kreis und schauen dem Todestanz eines jungen Mädchens zu, das geopfert werden soll, um den Gott des Frühlings günstig zu stimmen“ – so lautete die kurze Inhaltsangabe für Igor Strawinskys dritte Ballettmusik. Eine Kurzfassung, die Lars Scheibner nicht genügt, er schreibt in seinem Ballett Versionen, Visionen dazu. Er gliedert seinen Ballettabend: Der erste Teil, für den Scheibner Musik von Michael Gordon, David Lang und Philip Glass ausgewählt hat, berichtet von der Zeit nach der Opferung. Was passiert, wenn der alte Zyklus beendet ist? Wie verhalten sich Menschengruppen, welche Rituale vollziehen sie bis zur nächsten Opferung?

    In sechs Visionen wird die Geschichte vor der eigentlichen Opferung erzählt, wobei das spätere Opfer nicht bestimmt wird, sondern sich selbst auswählt – sich erwählt fühlt. Der zweite Teil des Abends, nach der Pause, ist dann Igor Strawinskys „Frühlingsopfer“, gewissermaßen die Vollendung des Ritus.

    Das Ballett bewegt sich auf einer nahezu leeren Bühne. Ein verwitterter Überseecontainer, der mal wie überflüssig am Rand steht, mal aktiv in Bewegung gesetzt wird, und ein paar hauchfeine Stoffbahnen kennzeichnen den von Rico Heidler gestalteten szenischen Raum. Ähnlich schlicht, unaufdringlich die Kostüme von Daria Scheibner: enge Trikots und eine Art Universal-Tuch in Rot und Braun, das mal Rock, mal Umhang, mal Hose ist und zum Gestaltungselement wird. Gefälliges, Plakatives, Hübsches ist nicht der Stil von Lars Scheibner, der Choreograph fordert seine Tänzerinnen und Tänzer physisch und psychisch bis an die Grenze. Ekstase steht im Kontrast zu Empfindsamkeit, schnell wechseln die Tempi, die Rhythmen, bravourös gemeistert von allen Tänzerinnen und Tänzern des Abends, allen voran Davina Kramer als „Opfer“.

    „Frühlingsopfer“ ist ein außergewöhnlicher Ballettabend, der das Publikum herausfordert. Zum Mit- und Weiterdenken, zum Finden eigener Bilder, zum Ausloten eigener Standpunkte und Verhaltensweisen.

    von Karin Gustmann

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