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    Schwarzes Tier Traurigkeit

    Quelle: Ostsee-Zeitung
    vom: 02. März 2009
    Mehr Infos zu: Schwarzes Tier Traurigkeit



    Schauspiel der Farben im E-Werk Schwerin

    Sie ist des Bemerkens und Anschauens wert, die Inszenierung von Anja Hillings Schauspiel „Schwarzes Tier Traurigkeit“, die am Donnerstag im Schweriner E-Werk Premiere hatte. Nach der Uraufführung 2007 in Hannover – das Stück entstand als Auftragswerk– und der österreichischen Erstaufführung im Oktober 2008 wagte sich nun der Schweriner Schauspieler und Regisseur Markus Wünsch an den interessanten, komplexen, komplizierten Stoff der jungen Autorin. Das Wagnis war erfolgreich – langer Schlussapplaus bestätigte es – weil der Regisseur sich vollständig und ausschließlich auf den Text konzentriert. Der Zuschauer erlebt das E-Werk in technischer Nüchternheit, Ausstatterin Franziska Just stellt lediglich eine Konstruktion mit Neon-Röhren in die Mitte der Bühne und darunter sechs Hocker. Drei Lichtstimmungen akzentuieren die drei Teile der Geschichte. Picknick im Wald: Grün. Waldbrand: Rot. Zeit danach: Weiß. Weiß gekleidet sind auch die sechs Akteure, die souverän den zweistündigen Abend tragen: Jochen Fahr (Paul), Charlotte Sieglin (Miranda), Hagen Ritschel (Oskar), This Maag (Martin), Florian Rummel (Flynn), Anja Werner (Jennifer).

    Ohne Dekorationen und Requisiten, konzentriert allein auf das gesprochene Wort und sparsame Gestik, beschreiben sie eine Situation, die man schlimmstenfalls aus dem TV kennt, sich aber als Realität nicht vorstellen mag: Sechs junge Leute, so zwischen Ende zwanzig, Anfang vierzig, miteinander verbunden durch Verwandtschaft oder Beruf, Ex-Ehe oder aktuelle Liaison, machen einen Ausflug ins Grüne, in den Wald. Es wird geplaudert und geplappert, unterschwellig knistert Spannung. Die Funken, die dann sprühen, sind real – in ihrer Sorglosigkeit beim Grillen, beim Rauchen haben sie den ausgetrockneten Wald in Brand gesetzt. In dieser Sequenz des Stückes zeigt sich die beeindruckende Begabung von Anja Hilling für den Umgang mit der Sprache, die Regisseur Markus Wünsch mit seinen Schauspielern adäquat umsetzt. Gebannt, fasziniert, gefesselt erfährt der Zuschauer, wie die sechs das Flammeninferno erleben – seine Bilder dazu kann, muss jeder für sich selbst entwickeln. Nach dem Feuer ist nichts mehr, wie es vorher war. Miranda und ihr Baby sind tot, Oskar verlor einen Arm, Jennifer ihre Haare, Paul stürzt – stürzt sich? – aus dem Fenster, Martin hat seinen Job aufgegeben und Flynn macht Karriere als Sänger. Kein Geplauder und Geplapper mehr, was bleibt ist das „Schwarze Tier Traurigkeit“.

    Die Stärke dieses Schauspiels liegt, wie schon angedeutet, in der Sprache und die Stärke der Schweriner Aufführung darin, es quasi wie ein Hörspiel zu inszenieren. Hinschauen lohnt sich aber auch.

    von Karin Gustmann

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