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    De Diern is richtig!

    Quelle: Schweriner Volkszeitung
    vom: 30. Januar 2009
    Mehr Infos zu: De Diern is richtig!



    Zum Hinschmeißen komisch

    Premiere für Bauernschwank „De Diern is richtig“ an der Fritz-Reuter-Bühne

    Endlich mal wieder einen deftigen Bauernschwank servierte die Schweriner Fritz-Reuter-Bühne am Dienstagabend im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters ihrem Publikum. Und diesem mundete diese Kost augenscheinlich bestens: Das Auditorium im rappelvollen Theater dankte dem spielfreudig agierenden Ensemble mit vielen Lachern und lang anhaltendem Schlussapplaus. Ist doch „De Diern is richtig“ eine von jenen „Dör up, Dör tau-Kummedis“, die das Salz in der Spielplan-Suppe einer jeden Mundartbühne sind.

    Mit ihrem Mix aus Menschlich-Allzumenschlichem, aus Liebe und Egoismus, Verwechslungen, Habgier und Großmut, Neid und Selbstlosigkeit, Irrungen und Missverständnissen, die sich jedoch am Schluss stets zum Guten wenden.

    Mit der „Diern" fand wieder einmal ein Stück des österreichischen Lustspielschreibers Anton Hamik (1887 - 1943) den Weg auf die Schweriner Bühne. Sein „Verkaufter Großvater“ (erschienen unter dem Pseu-donym Franz Streicher) sorgte schon in der Spielzeit 1953/54 unter dem Titel „Opa ward verköfft“ für Furore, ebenso erst1992/93 in der feminisierten Fassung als „Oma ward verköfft“.

    Die Handlung der „Diern“ schwebt einer bunten Seifenblase gleich im Nirgendwo über der Banalität der realen Zeitläufte, folgt ausschließlich ihren eigenen Gesetzen, bis sie schließlich zur Happy-End-Landung ansetzt. Das Stück, mahnt das Fachlexikon, verlange das Spielen und die glaubhafte Differenzierung der wirkungsvollen Rollen durch in jeder Hinsicht versierte Darsteller.

    Und das ist in Schwerin gelungen. Ein Genuss sind Knut Degner und Andreas Auer als verlottertes Bruderpaar Schnack, das seinen Bauernhof verkommenen lässt, weil die Landwirtschaft einfach „tau väl Arbeit“ macht und man ohnehin lieber zum Angeln geht. Hinreißend, wie sich diese beiden von den Haushalts- und Kochkünsten der niegen Deinstdiern Antje (Beate Prahl) verführen lassen, zunehmend Gefallen am süßen Leben finden und nach und nach zu honorigen Großbauern mit farbenprächtigen Westen mutieren. Zum Wegschmeißen komisch wird es, wenn Degner und Auer zu den Klängen aus Tschaikowskys „Dornröschen“ einen Walzer aufs Parkett (pardon, die Diele) legen. Dafür gab’s denn auch Szenenapplaus.

    Beate Prahl gibt der Antje überzeugend Gestalt. Von der herrschsüchtigen Attitüde des Beginns, über die fast liebevolle Fürsorglichkeit für die beiden Liederjans und den streitbaren Einsatz für das junge Liebespaar des Stücks bis hin auch zu den leiseren Tönen im dritten Akt, macht es Freude, ihr zuzusehen und zuzuhören. Elfie Schroth agiert glaubhaft als intrigante und habgierige Witwe, die nur allzu gern auf dem Hof ihrer Brüder das Sagen haben würde, dann aber – dank Antje – die Segel streichen muss. Heitere Intermezzi lieferte sehr zum Vergnügen der Zuschauer auf Hochdeutsch Detlef Heydorn, als Käufer der zum Hof gehörenden Insel und somit Ursprung des über die Schnack-Brüder hereingebrochenen Wohlstandes. Immer schwer haben es die jungen Liebespaare in solchen Stücken. Tina Landgraf als Sanna und Söhnke Fahl als Hinrich haben mit jugendlichem Charme, Natürlichkeit und Lebendigkeit, so ziemlich alles aus diesen Rollen herausgeholt.

    Das Inszenierungsteam Rolf Petersen (Regie) und Manfred Brümmer (Dramaturgie) hat die Klippen im manchmal seichten Fahrwasser des Schwanks sicher umschifft, hat auf seine Darsteller gesetzt und durch seine Arbeit am Text (gespielt wurde eine sogenannte Schweriner Fassung) manche Unlogik der Handlung getilgt und überdies für eine nachvollziehbarere Motivation der Titelheldin gesorgt.

    Ein optisch attraktives und spielpraktikables Bauernhaus-Bühnenbild schuf Rolf Goden. Die Kostüme – einschließlich der wirklich prächtigen Westen – stammen von Giselher Pilz.

    Helmut Schultz

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