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    Der Struwwelpeter

    Quelle: Ostsee-Zeitung
    vom: 02. Januar 2009
    Mehr Infos zu: Der Struwwelpeter



    „Struwwelpeter“ für Große

    In Schwerin löst eine Revue von Peter Dehler mit den Geschichten um unartige Kinder ungetrübte Heiterkeit aus.

    Als Weihnachtsgeschenk für seinen Sohn hat Heinrich Hoffmann anno 1844 den „Struwwelpeter“ geschrieben. Als Silvestergeschenk für ihr Publikum haben anno 2008 Peter Dehler (Bühnenbearbeitung und Regie) und Thomas Möckel (Musik) aus den Geschichten um böse Buben und unfolgsame Mädchen eine Revue gemacht. Kinderreime für Erwachsene? Es funktioniert, wenn man sich, was Dehler getan hat, auf die Vielfalt des Mediums Theater besinnt. Schon Bert Brecht definierte Theater als einen Ort, an dem Abendunterhaltung verkauft wird. In diesem Fall waren die Karten ihr Geld wert, denn die Zuschauer fühlten sich prächtig unterhalten. Eröffnet wird das Struwwelpeter-Nummernprogramm von Andreas Lembcke, der als Vater Hoffmann einleitende Worte zur Geschichte des Buches sagt. Im Laufe des Abends vermittelt er zwischen den einzelnen Geschichten und interpretiert die Struwwelpeter-Story auf sehr unterschiedliche Weise. Perfekt parodiert er dabei Udo Lindenberg, Heino, Herman van Veen oder – absoluter Höhepunkt – Herbert Grönemeyer. Er überzeugt aber auch als Primaballerina, als Clown-Pantomime oder mörderischer Psychopath in der Zwangsjacke. Der Extra-Applaus für Andreas Lembcke schmälert keinesfalls die Leistungen der anderen Akteure. Jana Kühn, Bettina Schneider, Charlotte Sieglin, Lucie Teisingerova, Anja Werner, Rüdiger Daas, This Maag, Florian Rummel und Stefan Ruppe müssen nicht nur blitzschnell die Kostüme wechseln. Sie schlüpfen in hohem Tempo – wie es sich für eine Revue gehört – von einem Bild ins nächste, von einer Geschichte in die andere. Die erste ist die vom Hans Guck-in-die-Luft. Als Charlie Chaplin, musikalisch begleitet von vier Show-Girls, steppt Hans in sein feuchtes Unglück. Cool ist die Independent-Truppe, welche die Botschaft vom bösen, weil Tiere quälenden Friederich verkündet. Dazu schluchzt die Mundharmonika – ein leises, heimliches Sehnen nach dem Entdecktwerden durch Dieter Bohlen?

    Dann die zündelnde Pauline. Sie wird samt warnender Katzen und singendem, klingendem, Bänder schwingendem Feuer als Operette dargeboten. Mit Wasser malt Grafiker Felix Karweick live die Geschichte von den schwarzen Buben auf die Kulisse. Bänkelsänger skandieren die Moritat von den Jungen, die den Mohren mobben und dann in der Tinte landen. Wer sich nicht selbst zum Besten haben kann, der ist gewiss nicht von den Besten – das wusste schon Goethe. Und so knöpft sich Schauspieldirektor Peter Dehler sein Metier, das Schauspiel, vor und gewährt einen tiefschürfenden Einblick in die Probenarbeit. Wo „Daumenlutscher Konrad“ draufsteht, kommt nach der Probe „Knielutscher Ernst-August“ raus – aber im Kern stimmt es ja doch irgendwie und alle haben kreativ, produktiv, ja nahezu genial gearbeitet. . . Eine köstliche Persiflage, die wohl nicht nur auf Proben im Theater zutrifft.

    Realsatire wird es, wenn der „Wilde Jäger“ à la Musikantenstadl besungen wird und das Publikum spontan und enthusiastisch mitklascht. Aufgefordert zum Mitmachen wird das Auditorium beim Suppen-Kaspar-Rap. Trommelwirbel auf Plaste-Eimern sind der Musikteppich, auf dem sich der Zappel-Philipp nebst Frau Mama und Herrn Papa mit Ausdruck tanzend bewegen. Zum Finale der Revue trotzt der fliegende Robert mit seinem Schirm widrigen Winden und Warnungen vor dem Klimawandel. Er entschwebte in den Bühnenhimmel – und kam Wunderkerzen schwingend pünktlich zum Jahreswechsel wieder hervor.

    Viel Applaus und viele gute Wünsche – es war schließlich Silvester – gab es nach der Vorstellung und Peter Dehler versprach, dass 2009 ein – pardon, Zitat – „geiles Jahr“ wird.

    KARIN GUSTMANN

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