| Musical nach Wilder-Film erlebte heiße Premiere
Schwerin (OZ) „Manche mögen's heiß“ ist der Titel eines Musicals, das nach dem gleichnamigen Film von Billy Wilder 1972 im New York uraufgeführt wurde. Genau so oft, wie der berühmte Film mit Marilyn Monroe, Tony Curtis und Jack Lemon wiederholt wird, lebt dieses Stück auf den Bühnen fort. Mit nicht nachlassendem Erfolg, wie auch die Premiere im Schweriner Theater am Freitagabend belegte – Szenen- und Schlussapplaus waren enthusiastisch.
Um mit dem Ende anzufangen: Osgoods Schlusssatz: „Nobody is perfect – Niemand ist vollkommen“ trifft auch auf diese Aufführung zu. Perfektion hat im Theater meistens aber auch einen Hauch von Langeweile. Und diese Musical-Inszenierung von Peter Dehler (Regie) und Martin Schelhaas (Musikalische Leitung) ist alles, aber in keinem Moment langweilig. Dazu tragen auch unfreiwillige Gags bei, wie ein im Orchester landendes Kissen und die daraus resultierende Slapstick-Einlage der Schauspieler. Der Erfolg des Abends liegt vor allem aber darin, dass Peter Dehler nicht einfach einen Film nachspielen lässt, sondern seine Version der Geschichte mit den Mitteln des Theaters – der Unmittelbarkeit, dem direkten Dabeisein der Zuschauer – erzählt.
Es ist das Amerika der späten zwanziger Jahre. Zwei arbeitslose Musiker, Jerry und Joe, werden Zeugen einer Mafia-Schießerei und suchen sie das Weite. Die Band von Sweet Sue sucht gerade eine Bassgeige und ein Saxophon – problematisch nur, dass es sich bei den „Society Syncopaters“ um eine Damenband handelt. So wird aus Joe Josephine und aus Jerry Daphne. In dieser Verkleidung lernen sie die bezaubernde Sugar kennen und kommen sich vor, als würden sie „in Schlagsahne baden“. Allerdings stößt ihnen das Frauenleben bald sauer auf: Hotelpagen kneifen einen in den Po, ganz zu schweigen von dem, was lüsterne Greise wie Sir Osgood Fielding mit einem Mädchen so anstellen möchten. Jerry hat sich, in Spitzenfummel und Federboa gewandet, so oft vorgebetet: „Ich bin ein Mädchen, ich bin ein Mädchen“, dass er den Anträgen von Millionär Osgood nur mühsam widerstehen kann.
Sugar spielt in der Band die Okulele, singt zauberhaft, sieht bezaubernd aus – und verliebt sich mit konstanter Regelmäßigkeit in den falschen Mann. In mittellose Saxophonspieler, wie Joe/Josephine einer ist. Der seinerseits verguckt sich in Sugar. Erst mal sorgt aber die Gegenwart für Aufregung – die Mafiaboys fallen ein und für Joe und Jerry wird es gefährlich.
Herausragend agieren Nils Brück und Markus Wünsch als Jerry und Joe. Nicht nur, weil sie gekonnt auf Highheels balancieren, sondern weil sie ihren Figuren Charakter geben, fernab jeder billigen Tuntenhaftigkeit. Kapriziös ist Judith Raab als Sugar, leicht trottelig, aber durchaus achtenswert der Sir Osgood von Klaus Bieligk. Man kann sich mehr als nur erwärmen für „Manche mögen's heiß“.
Folgende Vorstellung am 4. Dezember 19.30 Uhr im Schweriner Großen Haus
KARIN GUSTMANN
alle
Pressestimmen
|