| Voll und völler Spaß für den Bauch
Das Musical "Manche mögen’s heiß" in Schwerin
Schwerin • Ein berühmter Film im Theater. In Form eines Musicals. Billy Wilders Welterfolg "Some like it hot" für die Bühne von Peter Stone gefasst und komponiert von Jule Styne: "Manche mögen's heiß (Sugar)". Schauspieldirektor Peter Dehler setzte den Reißer für Schwerin in Szene. Mitgerissen bis zum rhythmischen Beifall war das Premierenpublikum am Freitagabend.
Männer spielen Frauen. Zu Shakespeares Zeiten gab es gar nichts anderes. Seine Rosalinde oder Viola, die sich als Jungs verkleiden, um eine Verwicklung zu lösen, wurden von Jünglingen gemimt. Mit allem Ernst und notgedrungen. Frauen waren als Schauspielerinnen nicht zugelassen.
Später aber hat das Theater die Verkappung zwischen den Geschlechtern quasi als Potenzmittel für Possen entdeckt. In "Sugar" ist es mit einem Becher Gangsterblut versetzt, mit Gag-Pulver für das Zwerchfell angereichert und püriert mit Klang-Öl. Die "Sugar"-Fassung kann dem Film "Some like it hot" den Rang zwar nicht ablaufen, den Bauchspaßbedarf aber befriedigt das Musical voll, völler, völlstens.
Zwei Musiker entkommen der Mafia wie der Arbeitslosigkeit verkleidet als Musikerinnen in einer Mädchenband. Kribbeln von Frau zu Frau zu Mann samt Mann zu Mann. Die Täuschungsmanöver hat Peter Dehler mit dem Charme der frühen Unterhaltungsjahre hochtemperiert in Szene gesetzt. Schießbuden-Komik, Neurotisches aus der Zwickmühle, Momente der Sentimentalität und Revue-Einlagen sind im Retro-Stil gemixt. Ein Sarg dient zum Alk-Schmuggel, das Ballett kommt aus dem Koffer, gemordet mit MPs in Geigenkästen wird "konzertant". Manche Wortwechsel wie Schusswechsel. Gute Trefferquote.
Ein Spiel der Anspielungen, bei denen sich automatisch Effekte der Parodie einstellen. Dafür liefert Ausstatter Martin Fischer ironisch die bonbonbunte Bühnenpappe und den Kostüm-Chic. Dirigent Martin Schelhaas entlockt der Klassikkapelle swingenden Bigbandsound oder Harmoniekonfitüre. Choreograph Bernd Lanzke schafft mit dem Ballett, das auch singt, das Girlgruppenfluidum, und Michael Junge hat den Chor, der auch tanzt, mit Drive inspiriert.
Die Schauspieler sind im Musical ohne Not, haben ihre spezielle Musikalität. Sie vitalisieren die Gesangsnummern vom Text her. Da wird nicht nach Noten gebeckmessert. Da gelten Klangfarben. Die leuchten.
Und die Akteure tänzeln sicher auf doppeltem Boden. Markus Wünsch ist als Joe-Josephine mit gestischen Trillern bis zur Pantomime der gewiefte Sonnyboy des Als-ob. Nils Brücks Jerry-Daphne wird heftig bewegt vom Unerwarteten, das sie staunend, trocken, keck pariert. Ein furioses Duo, das gleichsam Stummfilmkomik vertont. Und in beiden Fremdkörpern ist gelegentlich sogar ein Widerschein ihrer sozialen Lage.
Judith Raab ist als Sugar aufs berühmte Vorbild Marilyn Monroe frisiert. Das Phantom des Films. Ein Druck. Raab lässt sich nicht erdrücken. Vibrierend und mit naivem Hauch besteht sie die Prüfung zum Dummchen der Story durch Niedlichkeit.
Pointiert zeigt Klaus Bieligk im Großkotz Fielding den Provinzcasanova und überzieht ihn mit Pomade. Katrin Huke prägnant als scharfe Sweet Sue, die mit dem Eröffnungssong Ohren und Augen auf sich zieht. Ulk satt bis in die Episoden durch Jakob E. G. Kraze, Jörg Zirnstein und Michael von Burg.
Sozusagen: "Das war Hollywood von gestern". Das ist nicht vorbei.
Manfred Zelt
Nächste Termine: 4. und 11. Dezember, Kartentelefon: (0385) 5300123
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