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    Faustens Höllenfahrt und Gretchens Nachtgesang

    Quelle: Ostseezeitung
    vom: 27. Oktober 2004
    Mehr Infos zu: Faustens Höllenfahrt und Gretchens Nachtgesang



    Fantastischer Faust im Schweriner Puppenspiel

    Schwerin (OZ) „Ihr wisst, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag; drum schonet mir an diesem Tag Prospekte nicht und nicht Maschinen!“ Das lässt Goethe den Theaterdirektor im Vorspiel zum „Faust“ sagen. Diesen Satz hat Margrit Wischnewski, Chefin des Puppentheaters des Schweriner Theaters, beherzigt und gewissermaßen als Regieanweisung verstanden für ihre neueste Inszenierung „Faustens Höllenfahrt und Gretchens Nachtgesang“. Viel Beifall erlebte das Stück für Schüler ab Klasse sieben – und natürlich für Erwachsene.

    Eine Spielfassung mit Texten von Marlowe, Grabbe, Klingemann, Simrock und natürlich Goethe konzipierte Margrit Wischnewski, zu deren Umsetzung sie verschiedene Elemente des Figurentheaters verwendet: Handpuppen, Marionetten und Schattenspiel. Und die schon zitierten Prospekte und Maschinen kommen zum Einsatz: Rot-schwarze Büchertürme – mal düster dräuend, mal einladend verführerisch – umrahmen die Szene, die sich durch bemalte oder bestickte Stoffe, eben besagte Prospekte, durch Dia-Projektionen und Lichtspiele in verschiedene Schauplätze verwandelt.

    Bevor es auf Dr. Fausts Reise durch die kleine und große Welt gehen kann, steht der Gelehrte allein in seiner Studierstube mit seiner Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält. Allerlei Geister ruft er dazu an, ja den Teufel selbst. Der schickt aber erst mal putzige kleine Unterteufel aus der Hölle herauf, dann muss der Herr Faust noch spazieren gehen. Erstens weil es Ostern ist und zweitens weil der Herr Goethe sich diesen schönen langen Text, den „Osterspaziergang“, zur Freude aller Lehrer und zum Verdruss aller Schüler ausgedacht hat. Aus dieser Sequenz macht Margrit Wischnewski, lebhaft und dann auch lautstark unterstützt von Jutta Breu als Souffleuse aus dem Hintergrund, ein Glanzstück, das dem elenden „Schulaufsager“ allen Schrecken nimmt.

    Das ist überhaupt das große Plus dieser Version des Faust: Es nimmt den Schrecken vor dem gewaltigen Stück deutscher Literatur, macht vielmehr neugierig darauf. Ernst und heiter, poesievoll und derb präsentiert Margrit Wischnewski die Geschichte von Faust und Mephisto, die Begegnungen mit den Studenten in Auerbachs Keller, mit der feinen Herzogin in Parma und dem unschuldigen Gretchen. Eine rund siebzigminütige Lebens- und Zeitreise ist es, auf die das Publikum mitgenommen wird. Fantastisches und Fantasieanregendes wird dargeboten in „Faustens Höllenfahrt und Gretchens Nachtgesang“, es unterhält und bereitet Vergnügen – den Schülern und wohl auch den Lehrern.

    Vorstellungen: 27., 28. und 29. Oktober, jeweils um 9.30 Uhr im Schweriner E-Werk >br> KARIN GUSTMANN

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