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    Hänsel und Gretel

    Quelle: Ostsee-Zeitung
    vom: 03. November 2008
    Mehr Infos zu: Hänsel und Gretel



    Hänsel und Gretel verzauberten in Schwerin

    Mit dem November brechen märchenhafte Zeiten an im Schweriner Theater. Bevor aber das Weihnachtsmärchen „Rumpelstilzchen“ am 30. November Premiere hat, feierte am Freitag ein begeistertes Publikum die Premiere von „Hänsel und Gretel“. Wobei die Oper von Engelbert Humperdinck schon lange keine Alibi-Übung der Theater in der Vorweihnachtszeit mehr ist. Beigetragen dazu haben provozierende Inszenierungen, in denen die Hexe wahlweise als Kannibale bzw. Massenmörder interpretiert oder das Märchen als Geschichte eines Kindesmissbrauchs erzählt wird. So eine aufreizende Lesart der Oper lag Regisseur Arturo Gama für die Schweriner Inszenierung fern, er fand mit Ausstatter Mathias Rümmler vielmehr reizende, bezaubernde, verzaubernde Bilder. Ohne dabei das Stück mit Puderzucker zu überstäuben und so zu versüßen, zu verkitschen.

    Der Anfang ist eher profan. Es kann gestern passiert sein, es kann heute oder morgen geschehen: Familien leben in Armut, aus der sich Hoffnungslosigkeit und Zorn entwickeln. Die Kinder Hänsel und Gretel laufen in den Wald, in den Märchenwald der Fantasie. In dieser Zauberwelt erscheinen gute Wesen wie die vierzehn Engel, das Sandmännchen und das Taumännchen, da wachsen die so ersehnten Süßigkeiten an einem Häuschen. Und nachdem die böse Knusperhexe im Ofen verschwunden ist, erwachen alle verzauberten Kinder zum Leben, die Eltern von Hänsel und Gretel schließen ihre beiden glücklich in die Arme. Anfang einer besseren Zukunft?

    Arturo Gama hält in seiner Inszenierung die Grenzen zwischen realer und geträumter Welt in einer genau ausbalancierten Schwebe, die das Publikum – Jung und Alt gleichermaßen – mitnimmt und staunen lässt. Wie beim Schlussbild des zweiten Akts, wo nach dem gesungenen Abendsegen seltsam leuchtende Gestalten, einige auf Stelzen, einige auf dem Einrad, andere Salto schlagend und tanzend, erscheinen: die vierzehn Engel, die den Schlaf von Hänsel und Gretel bewachen. Engelbert Humperdinck (1854-1921) war ein bekennender Wagner-Verehrer, was auch in „Hänsel und Gretel“ zu hören ist. Aber er verknüpfte die wagnerisch-monströsen Elemente in der Musik mit der schlichten Melodik des deutschen Volkslieds. Judith Kubitz am Pult der Mecklenburgischen Staatskapelle führt das Orchester sicher durch alle Höhen und Tiefen, lauten und leisen Momente des Stücks – mit viel Sensibilität für den Kinderchor und die Solisten. Da ist besonders hervorzuheben Gabriele Scheidecker, die sowohl die Mutter als auch die Hexe singt. Sie überzeugt als verzweifelte Mutter genauso wie als verfressen-boshafte Hexe, findet für beide Figuren ganz eigene Töne. So überzeugend, dass so mancher Zuschauer erst beim Schlussapplaus merkte, dass eine Sängerin beide Rollen interpretierte. Sarah van der Kemp als Hänsel und Katrin Hübner als Gretel sind ein munteres, sehr heutiges Geschwisterpaar, das sich zankt, verträgt und dabei wirklich gern hat, Frank Blees ein poltrig-besorgter Vater und Kaori Okita schwebt zart als Sand- und Taumännchen über die Bühne. Die Schweriner Inszenierung von „Hänsel und Gretel“ ist ein schöner Auftakt für die neue Spielzeit des Musiktheaters.

    Nächste Vorstellung: am 6. November, 19.30 Uhr im Großen Haus

    KARIN GUSTMANN

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