Gefühle gejubelt, geflüstert, geschrien
Katrin Huke mit Songs im Nachtcafé des Mecklenburgischen StaatstheatersSchwerin Ihr Rotschopf leuchtet. Der Sekt steht bereit. Sie öffnet stumm den Mund. Sie lauscht aufs Vorspiel am Klavier. Und dann weht ihre Verführstimme in den Raum: "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt." Katrin Huke im Nachtcafé des Schweriner Theaters. Leider hat es selten geöffnet.
Mit Songs und Texten quer durch die Welt der Gefühle - von Hollaender über Wedekind, Kästner und Kreisler bis Bécaud, Holiday, Wecker und Reiser - dekliniert sie Liebeslust und -leiden. Die Fälle des Verlangens wie des Verlierens. Sie beugt "lieben" durch ich-du-wir, am liebsten aber: ich liebe - ach ja, dich liebe ich nicht mehr. Gejubelt, geflüstert, geschrien.
Das Chanson wie seine Verwandten erhalten ihr Gepräge weitgehend vom Interpreten. Sein Vortrags-Stil schafft sozusagen die akustische Gestalt von Text und Musik. Katrin Huke schöpft sie mit Sinnlichkeit und Besinnlichkeit, mit Frechheit oder Naivität in wechselnden Rhythmen. Sie treibt Lieder auch zur Komödie, zur Groteske; wobei ein paar Comedy-Spielchen, wie die Schwimmringe, mehr ablenken als nützlich sind. Dekoration braucht sie nicht. Huke steht mit ihrer Präsenz und mit pointierten Akzenten vor, hinter, zwischen oder mitten in der Geschichte der Songs - dem "Welttheater in drei Minuten". Schauspielkunst im Dienste einer Sängerin, die locker über die Stimmregister des Betörens wie des Spotts gebietet. Die bezwingend ist mit ihrem französischen Sound. Dabei hat sie Spannung wie Kästners "Zehn Frauen".
Boris Leibold ist nicht nur am Flügel ein flexibler Stimmungsgeber, er hat auch den Mut, neben Huke zu singen, wie sie dazu auch die Tasten bewegt.
"Die Männer sind alle Verbrecher." Der Titel wird nicht bestätigt um Mitternacht. "Die Frauen auch", heißt die Losung auf der Frontseite ihres T-Shirts. Es pulsiert ein Vergnügen aus dem Bauch, bei dem der Kopf heiter wird. "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da . . . " In den besten Momenten lässt Hukes Erotik das Flair eines Pariser Kellerlokals in den Saal des Konzertfoyers strömen. Hingehen, einsaugen! Manfred Zelt
Nächster Termin: 29. 10., 23 Uhr. Kartentelefon: (0385) 5300123
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