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    Romeo und Julia

    Quelle: Ostsee Zeitung
    vom: 28. April 2008
    Mehr Infos zu: Romeo und Julia



    Romeo und Julia – traumhaft gesungen

    Schwerin (OZ) Mit ihrer dritten Inszenierung in dieser Spielzeit, Charles Gounods Oper „Romeo und Julia“, beweist die Musiksparte des Schweriner Theaters erneut ihre hohe Qualität und den Mut zu Experimenten. Die 1867 uraufgeführte französische Oper war – wie schon „Julius Cäsar“ von Händel – eine Erstaufführung für das Schweriner Haus. Das Premierenpublikum am Freitagabend im ausverkauften Großen Haus war begeistert und feierte ein neues Sänger-Traumpaar: Ulrike Maria Maier und Stefan Heibach. Zu Recht wurden die beiden jungen Protagonisten für ihre Interpretation der Titelpartien gefeiert.

    Sie ist wohl die bekannteste Liebesgeschichte der Welt, die von Romeo und Julia, den Liebenden aus verfeindeten Familien, die kein Paar werden dürfen. Und weil die Geschichte so bekannt ist, hat das Inszenierungsteam der Schweriner Aufführung auch keine großen Theaterräder geschlagen und Pseudomodernität bemüht. Die Aktualität liegt ja im Stoff selbst, denn Urteile, Vorurteile über Menschen und ihre Beziehungen, was erlaubt und was nicht erlaubt ist – das alles wird in uns wach gehalten, über Jahrhunderte und Gesellschaftsordnungen hinweg. Regisseur Arturo Gama lenkt alle Aufmerksamkeit auf das Paar Romeo und Julia. Ihre vier großen Duette tragen gewissermaßen das Stück, der Gesang wird durch sparsame Gesten und Gänge illustriert. Umso opulenter im – auch musikalisch begründeten – Gegensatz dazu die Chorszenen im ersten Akt auf dem Fest und beim tödlich endenden Kampf im dritten Akt. Die Hand des ehemaligen Tänzers Arturo Gama ist bei den Choreographien zu spüren und auch bei den fast nahtlosen Übergängen zwischen den einzelnen Akten. Dass keine Umbau-Pausen die Stimmung stören – die zum Teil so dicht, so beklemmend-faszinierend war, dass selbst der Szenenapplaus im Ansatz blieb – ist Verdienst des Bühnenbildes von Robert Pflanz. Mit beweglichen Podesten, über der Bühne schwebenden, ebenfalls beweglichen Elementen und mittels Licht wird der jeweilige Handlungsort modifiziert. Die Kostüme zitieren in Schnitt und Farbe Elemente der Renaissance und sind insgesamt sehr prächtig. Ausnahme: Romeo und Julia sind eher schlicht gekleidet, um ihr inneres Anderssein auch äußerlich zu deklarieren.

    Bettina Lauer, seit Beginn dieser Spielzeit Kostümdirektorin des Schweriner Theaters, gab hier ihren Einstand mit einer eigenen Produktion. Das Gleiche gilt für die Erste Kapellmeisterin Judith Kubitz, die hiermit ihre erste Operninszenierung am Schweriner Theater vorstellte. An beide Damen für ihr „Debüt“ vorbehaltlose Gratulation. Die Staatskapelle unter der Leitung von Kubitz musizierte motiviert. Einfühlsam begleitete sie in den Duetten, kraftvoll und mächtig in der Ouvertüre und den Chorszenen. Der Chor wurde von Ulrich Barthel sehr gut präpariert. Das eingangs erteilte Lob für die Interpreten der Titelpartien gilt nahezu uneingeschränkt für alle Solisten. Der minutenlange Schlussapplaus war ein Dank an die Akteure, ein Respekt vor ihrer Leistung – vielleicht aber auch ein Signal an die Politiker der Stadt, die schon wieder mit drastischen Stellenstreichungen drohen.

    von KARIN GUSTMANN

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