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    Der Zigeunerbaron

    Quelle: Schweriner Volkszeitung
    vom: 05. April 2004
    Mehr Infos zu: Der Zigeunerbaron



    Unverwüstlich, bunt und amüsant Innovative Regisseurin Mei Hong Lin inszenierte vergnüglichen "Zigeunerbaron"

    Schwerin Zu einem neuen Sieg des unverwüstlichen Melodienrauschs von Johann Strauß gestaltete sich der "Zigeunerbaron" in der Neuinszenierung von Mei Hong Lin im Mecklenburgischen Staatstheater. Ein langer Schlussapplaus für alle Beteiligten krönte diese Premiere. Immer wieder fasziniert uns der Reichtum schöner Melodien, der für die unsterblichen Meisterwerke von Johann Strauß charakteristisch ist. So sind die Wesenszüge dieses Wiener Meisters: Humor, Schwung, Laune und - Kritik. Der 1885 in Wien uraufgeführte Zigeunerbaron wurde nach der Fledermaus sein größter Bühnenerfolg. Man kann das Stück, das der Komponist ja gern ins gewichtigere Genre der Oper eingereiht sehen wollte, durchaus als Kritik an der österreichisch-ungarischen Situation des ausgehenden 19. Jahrhunderts betrachten. Im Grunde genommen aber lebt das Werk bis auf den heutigen Tag von den zahlreichen melodischen Einfällen wie das Auftrittslied des Barinkay "Ja, das alles auf Ehr", Zsupáns Couplet "Ja, das Schreiben und das Lesen" und Saffis "O habet acht", von den lyrischen Stücken ist "Wer uns getraut" am bekanntesten geworden. Mei Hong Lin, bisher hauptsächlich als Ballettleiterin und choreographisch in Erscheinung getreten, gab 2003 in der Staatsoperette Dresden mit großem Erfolg ihr Regiedebüt. In ihrer Inszenierung des Zigeunerbarons am Mecklenburgischen Staatstheater nutzt die innovative Regisseurin die Chance, die das Werk selbst bietet, um die Geschichte des Sándor Barinkay, der als "flotter Geist die ganze Welt durchreist", des Schweinefürsten Zsupán, dessen "idealer Lebenszweck Borstenvieh und Schweinespeck" ist und der Zigeunerin Saffi, die Barinkay liebt, klar und amüsant zu erzählen. Schön bunt ist er auf jeden Fall der Zigeunerbaron, der nach 35 Jahren auf die Bühne des Mecklenburgischen Staatstheaters zurückkehrte. Theatralische Erfindungskraft, szenische Phantasie und bewegte Personenführung sorgen für pulsierendes Leben auf der Bühne. Mit vorzüglicher Farbregie geht die Ausstattung zu Werke, in der eine freundliche Ironie waltet. Thomas Gruber schuf den adäquaten szenischen Rahmen, Giselher Pilz die farbenfrohen Kostüme, welche den Figuren operettenklassisches Maß verleihen. Inspiriert von der federnd und elegant musizierenden Mecklenburgischen Staatskapelle unter Leitung von Jörg Pitschmann explodiert die Aufführung in pausenlosem Wirbel. Der in Wien gebürtige Thomas Sigwald verband in der Titelrolle Naturburschen-Charme mit mühelos strahlendem Tenorton. Er hat mit der in Spiel und Gesang prachtvollen und überzeugenden Saffi von Eveline Ines Bill eine gute Brautwahl getroffen. Die Arsena von Rachael Duncan stand ihr in vokalem und szenischem Charme nicht nach, bildete mit dem Ottokar von Kay-Gunter Pusch ein reizendes Paar. Effektvoll gestaltet Martin Winkler die Buffopartie des Schweinefürsten Zsupán, den er mit seiner Kunst, Pointen zu setzen, überzeugend in den Mittelpunkt rückt. Inmitten eines Miss-Piggy-Balletts nahm er das Publikum sehr für sich ein. Mit volltönendem Mezzo ist Beate-Maria Vorwerk eine treffliche Zigeunermutter Czipra. Eine hervorragende Charakterstudie des Conte Carnero mit einer geschniegelten Mannschaft kaiserlicher Sittenkommisäre liefert Christian Hees. Als Mutter Mirabella der glücklich wiedervereinten Familie des Carnero gibt Erika Ewald ihr Bestes. Das große Choraufgebot beeindruckte in bester Verfassung mit sicherer und machtvoller Stimmfülle und darstellerischer Präsenz. Die Tanzeinlagen des Balletts wurden von Stefan Haufe zur Inszenierung passend choreographiert und vom Ballett gut ausgeführt. Ein sehr unterhaltsamer Abend und eine Aufführung, die auch zeigte, dass die gute alte Operette noch längst nicht tot ist. Gleich ihrem Helden Barinkay könnte sagen: "... wenn man's kann ist's nicht schwer, ist's nicht schwer." Ingeborg Kalkus

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