| Unterm Stern der Poesie Er ist wieder da. Der Kleine Prinz vom Asteroiden B 612, den Antoine de Saint-Exupéry einst in der Wüste traf, ist im E-Werk gelandet. Langer, kräftiger Beifall für diese rare Begegnung.
Hoch geschätzter Saint-Ex, unter welchem Stern Sie auch darauf warten, hier ist die Post, die Sie am Ende Ihres Büchleins erbeten haben, falls er wiederkommt. *Le Petit Prince est revenu!“, wie Gilbert Bécaud gesungen hat. Der Kleine Prinz ist wiede da! Silvester gelandet im Barock des Schweriner Theaters, illuminiert er nun das schmucklose E-Werk.
Ein Prinz der
Empfindsamkeit
Vorsichtig kriecht er aus einem grünen Bündel auf dem Spielplatz Flügel,
blinzelt, lächelt, lacht. Ulrike Hanitzsch lässt den Himmelsboten staunend,
neugierig, ungläubig, fragend, belustigt, erschrocken in die Welten blicken.
Er ist unbefangen, auf naive Weise klug, und er kann so zornig wie traurig
sein. Ein Mutiger, der zuletzt Angst in Tapferkeit umschmilzt. Ein Prinz der
Empfindsamkeit. Chapeau!
Der Dichter und Pilot Antoine de Saint-Exupéry, 1944 von Korsika aus zur
Nimmerwiederkehr gestartet, hat ein faszinierendes Märchen erzählt. Für
Erwachsene, die ihre Kindheit nicht vergessen haben. Es ist die Geschichte
eines Außerirdischen aus dem Universum der Poesie. Auf seiner Reise zur
Erde, die damals noch einen guten Ruf hatte, begegnet er der Anmaßung, der
Eitelkeit, der Wichtigtuerei. Fern von seiner Heimat lernt er Verantwortung
für eine Rose zu Hause, und ein Fuchs schenkt ihm ein Geheimnis: *Man sieht
nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Diese Dichter-Lanze gegen eine entzauberte Welt haben Peter Dehler und
Thomas Möckel gleichsam als wundersame Speerspitze der Besinnung
aufgerichtet zum neuen Jahr. Und fuchsgewandt angeregt, wo das Wesentliche
zu suchen ist.
Der Regisseur markiert Stimmungen: komische, ironische, nachdenkliche,
melancholische. Den magischen Erzählton des Autors übersetzt er mit bunten
Phantasie-Figuren, die gleichsam einer Spielkiste aus fernen Tagen
entsteigen. Der Komponist rhythmisiert die Szenen, erweitert hin und wieder
den Text mit motivreichem Klang zum Song oder Chor. Er untermalt oder
kommentiert. Im wörtlichen Sinne beflügelt von Möckel, musizieren Mitglieder
der Staatskapelle inmitten der Szene mit kammermusikalischer Intensität;
aber manchmal fehlt etwas piano.
Verwandlungslust auf
dem Figurenkarussell
Felix Karweick umzaubert die Geschichte wie von Geisterhand. Mit immer
neuen, immer wieder entschwindenden skurrilen Zeichnungen auf Bühnenwänden
von Holger Syrbe, die daran erinnern, dass notfalls ein paar Bretter als
Welt genügen. Eine musicalartige Fassung des Märchens, die nirgends
plätschert.
Verwundert, fürsorglich, ernüchtert von Wirklichkeit, ergriffen zeigt Jochen
Fahr den notgelandeten Flieger. Und Bettina Schneider, Charlotte Sieglin,
Klaus Bieligk und Andreas Lembcke paradieren mit Verwandlungslust auf dem
Figurenkarussell. Der kleine Prinz lacht wieder auf seinem Stern. Und wir
lächeln nach dieser raren Bekanntschaft.
Nächster Termin:
20. Januar, 18 Uhr, E-Werk.
Karten: 0385 - 5300123
Von Manfred Zelt
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