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    Der Kleine Prinz

    Quelle: Schweriner Volkszeitung
    vom: 09. Januar 2008
    Mehr Infos zu: Der Kleine Prinz



    Unterm Stern der Poesie

    Er ist wieder da. Der Kleine Prinz vom Asteroiden B 612, den Antoine de Saint-Exupéry einst in der Wüste traf, ist im E-Werk gelandet. Langer, kräftiger Beifall für diese rare Begegnung.

    Hoch geschätzter Saint-Ex, unter welchem Stern Sie auch darauf warten, hier ist die Post, die Sie am Ende Ihres Büchleins erbeten haben, falls er wiederkommt. *Le Petit Prince est revenu!“, wie Gilbert Bécaud gesungen hat. Der Kleine Prinz ist wiede da! Silvester gelandet im Barock des Schweriner Theaters, illuminiert er nun das schmucklose E-Werk.

    Ein Prinz der Empfindsamkeit

    Vorsichtig kriecht er aus einem grünen Bündel auf dem Spielplatz Flügel, blinzelt, lächelt, lacht. Ulrike Hanitzsch lässt den Himmelsboten staunend, neugierig, ungläubig, fragend, belustigt, erschrocken in die Welten blicken. Er ist unbefangen, auf naive Weise klug, und er kann so zornig wie traurig sein. Ein Mutiger, der zuletzt Angst in Tapferkeit umschmilzt. Ein Prinz der Empfindsamkeit. Chapeau! Der Dichter und Pilot Antoine de Saint-Exupéry, 1944 von Korsika aus zur Nimmerwiederkehr gestartet, hat ein faszinierendes Märchen erzählt. Für Erwachsene, die ihre Kindheit nicht vergessen haben. Es ist die Geschichte eines Außerirdischen aus dem Universum der Poesie. Auf seiner Reise zur Erde, die damals noch einen guten Ruf hatte, begegnet er der Anmaßung, der Eitelkeit, der Wichtigtuerei. Fern von seiner Heimat lernt er Verantwortung für eine Rose zu Hause, und ein Fuchs schenkt ihm ein Geheimnis: *Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Diese Dichter-Lanze gegen eine entzauberte Welt haben Peter Dehler und Thomas Möckel gleichsam als wundersame Speerspitze der Besinnung aufgerichtet zum neuen Jahr. Und fuchsgewandt angeregt, wo das Wesentliche zu suchen ist. Der Regisseur markiert Stimmungen: komische, ironische, nachdenkliche, melancholische. Den magischen Erzählton des Autors übersetzt er mit bunten Phantasie-Figuren, die gleichsam einer Spielkiste aus fernen Tagen entsteigen. Der Komponist rhythmisiert die Szenen, erweitert hin und wieder den Text mit motivreichem Klang zum Song oder Chor. Er untermalt oder kommentiert. Im wörtlichen Sinne beflügelt von Möckel, musizieren Mitglieder der Staatskapelle inmitten der Szene mit kammermusikalischer Intensität; aber manchmal fehlt etwas piano.

    Verwandlungslust auf dem Figurenkarussell

    Felix Karweick umzaubert die Geschichte wie von Geisterhand. Mit immer neuen, immer wieder entschwindenden skurrilen Zeichnungen auf Bühnenwänden von Holger Syrbe, die daran erinnern, dass notfalls ein paar Bretter als Welt genügen. Eine musicalartige Fassung des Märchens, die nirgends plätschert. Verwundert, fürsorglich, ernüchtert von Wirklichkeit, ergriffen zeigt Jochen Fahr den notgelandeten Flieger. Und Bettina Schneider, Charlotte Sieglin, Klaus Bieligk und Andreas Lembcke paradieren mit Verwandlungslust auf dem Figurenkarussell. Der kleine Prinz lacht wieder auf seinem Stern. Und wir lächeln nach dieser raren Bekanntschaft.

    Nächster Termin: 20. Januar, 18 Uhr, E-Werk. Karten: 0385 - 5300123

    Von Manfred Zelt

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