| Das erste Gebot: Du sollst unterhalten Mit der Rockoper "Jesus Christ Superstar"
feierte Schwerin seine erste Premiere im
sanierten Theater.
Die Fans umringen den Star, der genießt das Bad in der Menge. Bis er sich von seinem Freund Vorwürfe anhören muss. Der Star heißt Jesus von Nazareth, sein Freund Judas Iskariot. Judas sieht in der Vereinnahmung von Jesus eine Gefahr und will ihn davor retten. Was weiter geschieht, ist bekannt.
"Jesus Christ Superstar"erzählt die Passionsgeschichte aus Judas' Sicht und als Rockoper. Das war 1970 eine Sensation, Andrew Lloyd Webbers erstes Musical wurde zum Welterfolg. Am Freitag hatte es im toll sanierten Großen Haus in Schwerin Premiere.
Mit Chris Murray (ein etwas irre wirkender, stimmgewaltiger Jesus) und Matthias Pagani (charismatischer Judas) haben die Schweriner zwei Profis verpflichtet, die internationale Musicalerfahrung haben und das Stück tragen. Ebenfalls herausragend: Katrin Huke als Maria Magdalena und Markus Wünsch als Pontius Pilatus.
Als Kulisse reichen variable Metallgerüste, Tische und Leinwände, um die Szenerie anzudeuten. Auch die schlichten Kostüme (die Hohepriester als Glatzköpfe in dunkelroten Anzügen, Pontius Pilatus im langen Ledermantel, Jesus im weißen Anzug) vermitteln das Gefühl: Diese Geschichte um Leidenschaft, Ideale und Verrat kann überall spielen.
Videoeinspielungen (ein Mädchen liest vor jeder - englisch gesungener - Szene die entsprechende Bibel-Stelle, Judas wird beim Verrat und Selbstmord von einer Webcam gefilmt) geben dem 70er-Jahre- Stück einen aktuellen Touch. Klamottig-köstlich der Auftritt von Herodes (Klaus Bieligk): eine Schwuchtel im Rotlicht-Ambiente. In Schwerin gilt eben das erste Gebot einer Musical-Aufführung: Du sollst unterhalten. Krasser Gegensatz dazu ist die dramatisch inszenierte Kreuzigung: Jesus, blutüberströmt, brüllt: "Mein Gott, warum hast du mich verlassen? "
Langer, begeisterter, verdienter Beifall.
Petra Haase
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