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    Der Glöckner von Notre Dame

    Quelle: Ostsee-Zeitung
    vom: 03. Juli 2006
    Mehr Infos zu: Der Glöckner von Notre Dame



    Tragische Geschichte im Schweriner Domhof

    Schwerin (OZ) Große Gefühle, tragische Geschichten um Liebe, Leben und Sterben sind in diesem Sommer die Themen der Schlossfestspiele in Schwerin. Nach der überaus erfolgreichen Premiere der Oper „La Traviata“ auf dem Alten Garten folgte am Freitagabend der zweite Teil der Schlossfestspiele im Innenhof des Schweriner Doms. In einer kleineren, aber nicht minder beeindruckenden Umgebung führen das Schauspiel- und das Ballettensemble den „Glöckner von Notre Dame“ auf. Peter Dehler, der auch Regie führte, und John R. Carlson, der mit seiner Band live spielt, schrieben für diesen speziellen Aufführungsort eine spezielle Musicalfassung der Geschichte um den verwachsenen, entstellten Quasimodo und die schöne Zigeunerin Esmeralda. Vorlage war der Roman „Der Glöckner von Notre Dame“ von Victor Hugo, dessen Handlungssträngen die beiden Musicalautoren im wesentlichen folgen, aber auch einige Details hinzuerfanden.

    Victor (Johann Zürner) und Victoria (Bettina Schneider) begleiten in der Art der Bänkelsänger das Publikum durch den Abend. Es muss niemand vorher achthundert Seiten Roman durchackern, um die Handlung zu verstehen. Das Stück ist zwar im Mittelalter angesiedelt, aber durch die Anreicherung mit einigen sehr heutigen Erkenntnissen und Sprüchen bekommt es Gegenwart, ohne modernistisch zu sein. Erzählt wird von Quasimodo, dem missgestalteten Mann, den Dom Frollo, der Diakon der Kirche Notre Dame, als Findelkind auflas und der nun als Glöckner im Turm der Kirche lebt. Seine Freunde sind die steinernen Figuren auf dem Kirchendach, von wo aus er das Leben unter ihm beobachtet. Ein Narrenfest verlockt und verleitet ihn, seinen angestammten Platz zu verlassen. Dort sieht er Esmeralda, eine schöne Zigeunerin, die mit ihrem Tanz nicht nur ihm den Kopf verdreht, sondern auch die Gier in Dom Frollo weckt. Und auch Phöbus, der Anführer der königlichen Bogenschützen, ist fasziniert von der aparten Tänzerin.

    So stehen denn drei Männer auf der Szene und verzehren sich in gemeinsamem Gesang und mit sehr unterschiedlichen Absichten und Hintergedanken nach Esmeralda. Bekommen wird sie letztendlich keiner: Frollo ersticht Phöbus, Quasimodo wirft Frollo vom Kirchendach, Esmeralda landet am Galgen und Quasimodo stirbt vor Gram.

    Peter Dehler ist es gelungen, aus dieser tragischen Vorlage ein zwar in Teilen natürlich trauriges, aber in weiten Teilen auch amüsantes, witziges Stück zu machen. Er setzt dabei nicht auf bedeutungsschwere Philosophien, sondern ganz auf Emotionen und auf sein spielfreudiges Ensemble. Nils Brück ist trotz schauriger Maske ein eher liebens- denn bedauernswerter Quasimodo. Es gelingt ihm, einen hässlichen Menschen schön werden zu lassen. Schön ist Judith Raab als Esmeralda, mit eher verhaltenem Feuer als mit lodernder Leidenschaft zeigt sie ihre Gefühle für Phöbus und lässt so deutlich werden, warum sie für eine Kreatur wie Quasimodo Gefühle entwickeln kann. Genauso wie für den verkannten Dichter Gringoire.

    Jörg Zirnstein kämpft sich deklamierend, zitternd und stolpernd zum Vergnügen des Publikums in dieser Rolle durch das Stück bis zum verdienten Schlussapplaus. Der auch Gottfried Richter als besessenen Frollo, Martin Neuhaus als sanft verliebten Phöbus und Klaus Bieligk als Zigeunerchef Clopin einschloss. Ebenso wie Lucie Teisingerova und Andreas Lembcke, die gleich mehrere Figuren verkörperten. Und wer immer noch nicht weiß, wie ausdrucksstark, wie perfekt das Schweriner Ballettensemble ist (Choreografie Bernd Lanzke), der kann sich in dieser Inszenierung davon überzeugen.

    Sommernachtsromantik pur! verspricht ein Werbezettel für das Musical „Der Glöckner von Notre Dame“ am Premierenabend hat es, auch wenn es noch keine wirklich laue Sommernacht war, hundertprozentig gestimmt.

    KARIN GUSTMANN

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