| Anti-Drogen-Stück mit brüchigem Lächeln Schwerin (OZ) Die Schweriner Schauspielerin Katrin Huke hat ein besonderes Lächeln – nein: ein ganzes Repertoire unverwechselbarer Weisen zu lächeln. Wenn sie auf der Bühne steht, die Mundwinkel spielen und die Augen blitzen lässt, dann vermittelt dieser Ausdruck Souveränität und Hilflosigkeit zugleich. Der Zuschauer kann darin eine Sehnsucht nach Nähe (als utopisches Moment) erblicken, aber ebenso das fortwährende Scheitern dieser Sehnenden, er sieht ihre Wärme wie ihre Angst.
Von Hoffnung über Illusion zur Resignation und dazu kräftige tragikomische Untertöne – all dies zeigt Katrin Huke jetzt, behutsam inszeniert von David Emig, in einem Monolog-Stück von Kai Hensel im Schweriner E-Werk. „Welche Droge passt zu mir?“, auf vielen Bühnen der Republik im Plan, ist ein Anti-Drogenstück. Eins der raffinierteren Sorte zwar, das mit dem Untertitel „Eine Einführung“ wie eine Werbeveranstaltung für Rauschmittel daherkommt und im bitteren Schicksal der Protagonistin dann jegliche Werbung für Drogen ad absurdum führt. Aber eine trotz aller Zweideutigkeiten letztlich eindeutige Geschichte. Und was wäre die ohne das schöne brüchige Lächeln der Katrin Huke?
Sie sucht als Hausfrau Hanna nach Auswegen aus ihrem Unbehagen im konfektionierten Leben mit Kleinfamilie, Mutterpflicht und Jugendstilvilla und kommt dabei auf die Drogen. Ein aufs Haben orientiertes Leben, würde wohl Erich Fromm („Haben oder Sein“) diagnostizieren. Das Paradoxe (und Tragische) dieser Hanna ist gerade, dass sie den Schlüssel zur Lebendigkeit in Marihuana und Haschisch, Keksen, Tinkturen und Pillen, Kokain, Ecstasy und LSD zu finden meint. Sie selbst preist, dabei im Laufe des Abends immer mehr verfallend, ihren „Weg“ des Drogenkonsums an, um uns, dem Publikum, diesen „Weg“ zu öffnen. Und sie tut's mit der professionellen Überredungsrhetorik moderner Werbung, mit den ganz großen Worten wie Angst und Glück. Und im üblichen Tonfall modernen Lifestyle-Aberglaubens: Drogen geben Kraft und nehmen die Angst, sie machen schlank, erweitern die Sinne, verschaffen göttliche Erkenntnis. Dazu klekst sie mit breitem Pinsel lässig lustige bunte Zeichen auf eine Leinwand.
Hannas Drogen-Schlüsselerlebnis weist jedoch über die Drogenproblematik hinaus: Aus Neugier hat sie von einem in ihrem Hause arbeitenden Lehrling eine Pille gekauft, und nach deren Konsum erstmals seit langem das Gefühl empfunden, ihr Kind zu lieben. Später verallgemeinert sie diese Erfahrung: Drogen nimmt man nicht für sich, sondern für andere, um zu lieben, sich lebendig zu fühlen.
Der Rest ist Eigendynamik: Von einem Dealer, Angolander, hat sie sich schwängern lassen, nun bekämpft sie das heranwachsende Leben in ihrem Leib mit möderischem Drogen-Mix, an dem sie selbst zugrunde geht. Ihr Ende kennen wir seit dem Anfang: Als stummer Auftakt wandelte Hanna über die Bühne – mit Engelsflügeln als Zeichen der Absolution für eine Unglückliche.
DIETRICH PÄTZOLD
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